Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

—  37

III.
Tie  Annettion.

Aber  gerade,  als  man  sich  solchen  verfrühten  Hoffnungen  hingab,
hatte  Napoleon  den  Gipfel  seiner  Macht  erklommen.  Nach  der
Schlacht  bei  Wagram  war  Österreichs  Widerstandskraft  gebrochen, ­
  der  Kaiserstaat  sah  sich  vom  Meere  abgeschnittten.  Napoleons ­
  Maßnahmen  am  Adriatischen  Meere  waren  sichtlich  darauf
zugeschnitten,  der  Kontinentalsperre  aufs  neue  strikte  Durchführung
zu  sichern.  Der  Freundschaft  Rußlands  gewiß,  holte  der  Unermüdliche ­
  zu  einem  neuen  vernichtenden  Schlage  gegen  den  letzten
unbezwungenen  Gegner,  gegen  England,  aus.  Die  bittere  Erfahrung ­
  von  Trafalgar  hatte  ihn  gelehrt,  daß  sich  Flotten  nicht
improvisieren  lassen,  er  rechnete  mit  jahrelangen  Vorbereitungen,
aber  er  hoffte,  während  er  seine  Rüstungen  betrieb,  durch  eine
abermalige  Verschärfung  des  wirtschaftlichen  Kampfes,  den  Widerfacher ­
  so  sehr  zu  schwächen,  daß  seine  Flotte  nur  noch  den  letzten
Stoß  gegen  einen  Ohnmächtigen  zu  führen  haben  werde.  Die
Vorbereitungen  zu  diesem  Entscheidungskampfe  besiegelten  auch  das
beschick  der  Hansestädte.
Die  Frage  nach  der  künftigen  politischen  Stellung  der  Städte
war  seit  1806  in  der  Schwebe  geblieben.  Nominell  erfreuten  sie
ffch  voller  Unabhängigkeit,  die  alten  Verfassungen  blieben  in  Kraft,
mit  Frankreich  wurde  auf  diplomatischem  Wege  verkehrt,  tatsächlich
aber  waren  die  Senate  einfach  die  ausführenden  Organe  des
kaiserlichen  Willens.  Das  ganze  Verhältnis  trug  jedoch  den  Charakter ­
  des  Provisorischen  an  sich;  eine  endgültige  Regelung  schien
um  so  dringender  erforderlich,  seitdem,  im  Frühjahr  und  Herbst
1808,  auch  Mecklenburg  und  Oldenburg  ihren  Beitritt  zum  Rheinbünde ­
  erklärt  hatten,  sodaß  die  Städte  fast  vollständig  von  dessen
Gebiet  umgeben  waren.  Im  Jahre  1809  hatte  ferner  mehrere
            
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