Rohstoffe.
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Wolle. Genaue Angaben über die Wollgewinnung liegen nicht vor. Der
Schaf- und Ziegenbestand war nach dem Annuaire internationale de statistique
agricole Rome 1913/14 folgender:
1910 1911 1912
Schafe 27661000 25435000 27094000
Ziegen 16957000 15009000 16473000
Angora-Ziegen 4 325 000 3 725 000 3 795 000
Die gewonnene Wollmenge kann nach Stirm 1 ) mit 45 5001 angenommen
werden. Von dieser wird beiläufig der vierte Teil ausgeführt, während der Rest
im Inlande verarbeitet wird. Es erscheint fraglos, daß bei der in der Türkei
vorherrschenden besonderen Vorliebe für die Schafzucht die Wollproduktion noch
wesentlich gesteigert werden könnte.
Mohairwolle. Eine ziemliche Bedeutung besitzt die Produktion der
Mohairwolle, da sie jährlich in großen Mengen ausgeführt wird. Die Produktion
beträgt im Jahre Ö0000 bis 65000 Ballen ä 85kg, das sind 5100 bis 5500t. Vor
1914 wurde die ganze Produktion stets von England übernommen.
Nach einem Bericht des deutschen Generalkonsulats in Konstantinopel vom
9- September 1913 staffelten sich die Preise im Jahre 1913 wie folgt:
Für I allerfeinste Ware ...... 20 bis 21 Goldpiaster für 1 Oka * 2 )
„ II Ware 17 „ 18V2 „ „ 1 „
» 111 11 * 13V2 - „ 1 „
»IV „ 6VA 8R 2 „ „ 1 „
Seide. Die Kokonsernte im Jahre 1912/13 betrug:
Asiatische Türkei 10213 t | Europäische Türkei .... 3035 t
Die Seidenraupenzucht ist in der Türkei stark verbreitet, und zwar in
Syrien und Brussa. Das Abspinnen der Kokons wird in Kleinbetrieben mit
unzulänglichen Einrichtungen ausgeführt. Es gibt nur eine größere Seiden
spinnerei schweizerischen Ursprungs mit 600 Arbeiterinnen. Eine besondere
Entwickelung der Seidenraupenzucht war vor dem Kriege nicht wahrzunehmen,
im Gegenteil, die Lage der Produzenten wurde als ungünstig geschildert, da
dieselben nicht auf ihre Kosten kamen und vielfach daran gehen, den Anbau
der Maulbeerbäume durch andere Kulturen — vor allem durch Anpflanzungen
von Fruchtbäumen — zu ersetzen. Über die Seidenzüchter berichtet das Kaiser
liche Konsulat in Beirut (s. Nachrichten für Handel und Industrie 1913, Nr. 52)
folgendes: „Die Beiruter Seidenzüchter haben bei den heutigen Seidenpreisen
und ihren wachsenden Erstehungskosten einen schweren Stand und sind, soweit
sie gleichzeitig Spinner sind, nicht in der Lage, ihre veralteten Spinnereibetriebe
zu modernisieren. Eine Aussicht auf bessere Seidenpreise auf dem Weltmarkt
ist angesichts der billig arbeitenden chinesischen und japanesischen Konkurrenz
b Chem. Technologie der Gespinstfasern von Dr. Karl Stirm, Berlin (Gebr. Bornträger), 1913.
2 ) 1 Goldpiaster = 18V2 Pfg. und 1 Oka = 1,283 kg.
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