380 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
Zeit langsam geheilt hat. Aber freilich besaß es einige Lücken,
die es doch nur als Provisorium erscheinen ließen. Der Papft
andrerseits mußte des ewigen Hinhaltens müde werden, und
noch stand ihm in der geistlichen Strafgewalt ein leicht bereites
Mittel des Angriffs gegen den König zu Gebote.
In der That begannen die Beschwerden Paschalis II. schon
in einem Schreiben an den Erzbischof Ruthard von Mainz,
Ende 1105, und sie setzten sich auf einem Konzil zu Guastalla,
Oktober 1106, und auf einer Synode zu Troyes, Mai 1107,
immer dringlicher fort. Heinrich war ihnen schon früh in
gelegentlichen Gesandtschaften an den Papst entgegengetreten“;
jetzt versuchte er die Kurie in dau ernden Verhandlungen zu
beruhigen, umsomehr, als er in den Jahren 1107 bis 1110 in
schwierige Händel mit Polen, Cechen und Ungarn verstrickt
ward. Endlich aber forderte er im Jahre 1109 die ihm schon
versprochene Kaiserkrönung. Von neuem mußte nun die
Investiturfrage erörtert werden. In einem Schriftstück, das
vermutlich den Gesandten als Instruktion diente?, welche
den Papst von der bevorstehenden Romfahrt benachrichtigen
sollten, erklärte Heinrich die Investitur der Regalien wegen
für unerläßlich. Eine arme Kirche würde ihrer überhaupt
nicht bedürfen. Allein der Papst verharrte bei seinen
kanonischen Forderungen, während der König nun auf einem
Reichstage zu Regensburg das Aufgebot für den italienischen
Zug erließ.
Es war für den Papst eine Schreckensnachricht; ohne daß
bindende Abmachungen mit dem Könige getroffen waren, nahte
dieser mit Kriegesmacht — und die Normannen zeigten sich
trotz aller Versprechen bald wenig geneigt, den Deutschen zur
Rettung des heiligen Petrus entgegenzutreten.
Heinrich zog im August 1110 nach Italien; sein gewaltiges
Heer schuf ihm überall ruhige Aufnahme; auch Mathilde von
S. Rich ter (Horst Kohl
2 S. Hauck III 889 A. 3.
— Opitz), Annalen (1897) III 2 S. 309f.