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Rumänien. Textilindustrie.
Die Wollindustrie. Soweit eine Übersicht zu erlangen ist, gibt es in
Rumänien acht bis neun Wollfabriken. Die bedeutendsten sind die Tuchfabriken
in Buhusi,’Azuga und Plojesti. Die Tuchfabrik in Buhusi arbeitet mit einem
Kapital von 7,9 Mill. Mk. und einem Personal von 1200 Köpfen. Sie erzeugt
jährlich 1285000m Tuch im Werte von 5 Mill. Mk. Die Tuchfabrik in
Azuga beschäftigt 500 Arbeiter und 120 Webstühle. Der Wert der Produktion
beträgt 3,2 Mill. Mk. Die Tuchfabrik in Plojesti beschäftigt 200 Arbeiter und
50 Webstühle. Der durchschnittliche Jahresumsatz beträgt 1,4 Mill. Mk. Diese
drei Tuchfabriken waren in den letzten Jahren vornehmlich für Militärstoffe
beschäftigt, außerdem werden darin auch Tuche für den inländischen Bedarf
hergestellt.
Zwei Tuchfabriken arbeiten in Krajowa, die hauptsächlich Halinatuche
neben anderen Tuchen und außerdem Decken, Wollschnüre, Gürtel usw.
erzeugen.
In Jassy und Umgebung gibt es eine Anzahl kleinerer Wollfabriken, die
Schale, Tisch- und Bettdecken, wie auch besonders wollene Wirkwaren
erzeugen.
Die Leinen- und Juteindustrie. Eigentliche größere Leinenwebereien gibt
es in Rumänien nicht, doch werden ordinäre Leinengewebe, Matratzen- und
sonstige Leinenstoffe zum Teil in Baumwollfabriken, zum Teil in der Haus
industrie, hergestellt.
Einfuhr von Textilwaren in Rumänien.
Von den Balkanländern hat Rumänien die stärkste Einfuhr an Textil
fertigwaren, und zwar erreichte dieselbe im Jahre 1913 die Höhe von
77,8 Mill. Mk. Die hauptsächlichsten Herkunftsländer sind: Deutschland mit
22,5, Österreich-Ungarn mit 20,9, England mit 12,8, Frankreich mit 7,1 und
Italien mit 6,9 Mill. Mk.
Baumwollwaren. Eine der stärksten Einfuhrpositionen bilden die rohen
Baumwollgarne. Die Hauptnummern sind 10 bis 12, neben gröberen und
feineren bis Nr. 36. Die Hausindustrie verwendet fast ausschließlich Hartwater-
garne. Neben rohen Garnen werden auch gebleichte, merzerisierte und
gefärbte Garne, hauptsächlich aus Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien,
eingeführt. Die Nähgarneinfuhr erfolgt etwa zur Hälfte aus England, während
der Rest aus Deutschland und Österreich-Ungarn kommt.
Die Einfuhr an rohen Geweben ist im Verhältnis zur Einfuhr in den
anderen Balkanstaaten unbedeutend, weil diese meistens bereits von inländischen
Webereien geliefert werden. Viel höher ist dagegen die Einfuhr in gebleichten,
gefärbten, bedruckten und buntgewebten Baumwollstoffen, und zwar ist
die Einfuhr an bedruckten Stoffen am bedeutendsten. Neben diesen werden
Samte, Oxfords, Zephire, Batiste, Kopftücher, Tischzeug, Handtücher
und Taschentücher, wie Hosenzeuge, eingeführt.