Ein- und Ausfuhr, Produktion und Inlandsverbrauch.
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Die Einfuhr Afrikas erstreckt sich vornehmlich auf Fertigwaren, wohin
gegen die Ausfuhr hauptsächlich aus Rohstoffen besteht. Der Ausfuhrwert
der Rohstoffe ist im Verhältnis zum Ausfuhrwert Amerikas und Asiens nicht
hoch, aber mit etwa 675 Mill. Mark immerhin schon recht bedeutend, zumal
unter Berücksichtigung des Umstandes, daß in Afrika die Baumwoll- und Woll-
gewinnung erst in den letzten Jahren stärker zur Entwickelung kam. .
Die Produktion der Textilindustrie Afrikas ist unbedeutend; fast der
ganze Bedarf an Textilwaren wird durch Einfuhr von Fertigwaren gedeckt.
Soweit eine Einteilung nach den verschiedenen Klassen möglich ist, entfallen
von der Produktion auf Baumwolle 50,6, auf Wolle 43,8, auf Seide 6 und auf
Leinen 1,9 Mill. Mark.
Der Inlandsverbrauch an Textilwaren in Afrika ist sehr niedrig. Nach
den später folgenden Angaben bei den einzelnen Ländern berechnet sich die
Gesamtbevölkerung Afrikas (ohne Abessinien) auf 126 355 700.
Danach ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch Afrikas pro Person und
Jahr von 6,04 Mark.
Es ist interessant, aus der Einzelaufstellung zu ersehen, daß in bezug auf
Verbrauchshöhe an Textilwaren die afrikanischen Länder sich in drei Gruppen
unterscheiden lassen, und zwar in
Gruppe A: Französisch - Kongo, Belgisch - Kongo und Liberia, deren
Jahresverbrauch pro Person unter l Mk. beträgt.
Gruppe B: Die verschiedenen ost- und westafrikanischen Kolonien,
deren Jahresverbrauch pro Person 2 bis 3 Mk. beträgt; hier macht nur
Französisch-Ostafrika mit wesentlich höherem Verbrauch eine Ausnahme,
wahrscheinlich weil diese Länder in der Entwickelung bereits viel weiter
vorgeschritten sind.
Gruppe C: Die übrigen afrikanischen Staaten, wie Britisch-Südafrika,
Ägypten, Algerien, Tunis, Deutsch-Südwestafrika usw., deren Jahres
verbrauch pro Person, mit weitem Abstand von Gruppe A und B, ein viel
höherer ist.
Wichtig erscheint auch die Tatsache, daß Deutsch-Südwestafrika den
höchsten Verbrauch an Textilwaren in Afrika hat. Es hängt dies jedenfalls
mit der günstigen Entwickelung des Landes zusammen, bzw. mit der erheb
lichen Ausfuhr an Diamanten und Kupfer, deren Erzeugungswerte einer ver
hältnismäßig kleineren Bevölkerung zu statten kommen.