Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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6.  Wer  trägt  die  Kosten  der  sozialen  Versicherung?
Von
vr.  Heinz  ^Potthoff-Düffeldorf.
Der  Zweck  der  in  diesem  Band  vereinigten  Untersuchungen  über  das
Versicherungswesen  in  Deutschland  ist  die  Feststellung  der  finanziellen
Verschiebungen,  welche  durch  das  Sammeln  der  Prämien,  das  Auszahlen
der  Leistungen  und  das  Anlegen  der  Reserven  in  der  deutschen  Volkswirtschast
  bewirkt  werden.  Eine  möglichst  genaue  Feststellung  ist  für
die  soziale  Versicherung  von  besonderer  Bedeutung,  weil  diese  größtenteils ­
  auf  staatlichem  Zwang  beruht  und  die  Klagen  immer  lauter  werden,
daß  durch  die  Auferlegung  immer  wachsender  Versicherungslasten  weite
Kreise  der  wirtschaftlichen  Unternehmungen  unrentabel  und  aus  dem
Weltmärkte  konkurrenzunfähig  würden.  Da  unsere  Volkswirtschaft  im
wefintlichen  auf  dem  Privateigentum  beruht,  so  ist  die  Rentabilität  des
in  den  Gewerben  angelegten  Kapitals  eine  Vorbedingung  für  wirtschaftliche ­
  Tätigkeit.  Eine  Beeinträchtigung  der  produktiven  Arbeitsgelegenheit,
eine  Schwächung  der  Wettbewerbsfähigkeit  gegenüber  anderen  Völkern,
würde  eine  verhängnisvolle  Wirkung  der  Sozialpolitik  sein,  die  uns  vor
die  Wahl  stellen  müßte,  ob  wir  die  Sozialpolitik  oder  das  Privateigentum ­
  an  den  Produktionsmitteln  aufgeben  wollten.  Zur  Beantwortung
der  Frage,  welchen  Einfluß  die  Versicherung  auf  Rentabilität  und  Wettbewerb ­
  hat  (einer  Frage,  die  ja  über  den  Rahmen  dieses  Bandes  weit
hinausreicht),  wäre  festzustellen:
1.  Bildet  soziale  Versicherung  überhaupt  eine  Belastung  der  Volkswirtschaft? ­
  oder  bedeutet  sie  vielleicht  nur  eine  Verschiebung  innerhalb
der  einzelnen  Teile?  und  ist  ihre  Wirkung  vielleicht  eine  Entlastung
des  Wirtschaftslebens  im  ganzen?
2.  Wie  stellen  sich  die  deutschen  Verhältnisse  zu  denen  der  anderen
Völker,  die  auf  dem  Weltmärkte  mit  uns  um  den  Absatz  ringen?
            
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