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Eisenbahn erfolgte, deren Obligationen von der Frankfurter
Firma Moritz Budge — ihr New Yorker Vertreter war der
später reich und berühmt gewordene Jacob H, Schiff, damals
Inhaber der Firma Budge, Schiff & Co., dann Chef des
Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. ) — vertrieben worden waren.
Kurz darauf wurden auch die bonds der Alabama-Chatta-
nooga Eisenbahn notleidend, da der Staat Alabama die von
ihm versprochene Zinsgarantie unerfüllt ließ. Dasselbe
Schicksal hatten 1872 die Georgia aid-bonds. Die Ver-
luste des deutschen Publikums wären vielleicht noch größer
gewesen, wenn nicht die Frankfurter Zeitung ihre warnende
Stimme immer von neuem erhoben hätte. Ein positiver
Erfolg war es, daß sie dann 1871 die Unterbringung der
73/0 % bonds der zwei Jahre später zusammengebrochenen
Northern Pacific Bahn verhinderte ?). 1872 wurden in Frank-
furt a. M. achtzehn amerikanische Kommunalanleihen und
fünfunddreißig verschiedene Gattungen von Eisenbahnbonds
notiert.
Im Gegensatz zu den Eisenbahnbonds hat das deutsche
Publikum an den nordamerikanischen Staatsanleihen, be-
sonders den sogenannten 5,20, in der sich gleich nach Be-
endigung des Sezessionskrieges im Frühjahr 1865 ein sehr
lebhaftes spekulatives Geschäft an den Börsen von Frank-
furt a. M. und Berlin entwickelte, nur verdient. Die An-
leihe, die auch in London, Amsterdam und Wien stark um-
gesetzt wurde und ein internationales Spekulationspapier
wie vor 1914 Rio Tinto, Canada, Union Pacific und Steels
war, bot außer einer absolut sicheren Verzinsung, die in
den Jahren 1865—1870 je nach dem Kurse zwischen 6,6
und 10 % schwankte, beträchtliche Gewinnchancen für die
ukunft.
Die Schätzungen, wieviel von der Staatsschuld der Ver-
einigten Staaten nach Beendigung des Sezessionskrieges 1865
in europäischen Händen war, wichen naturgemäß erheblich
voneinander ab, Das Commercial and Financial Chronicle
bezifferte den Betrag im März 1865 auf 500 Millionen Dollar,
während Friedrich Kühne, der damalige Chef des Bank-
hauses Knauth, Nachod und Kühne, zur gleichen Zeit in einem
Schreiben an den Schatzsekretär Me. Cullock hierfür nur
350 Millionen Dollar annahm®), Drei Viertel davon waren
nach seiner Ansicht in deutschen, bzw. holländischen Händen,
ein großer Teil freilich nicht als Anlage, sondern als speku-
!) Gegründet 1867 von Abraham Kuhn und Salomon Loeb.
?) Geschichte der Frankfurter Zeitung. S. 232.
*) E. P. Oberholtzer, Jay Cooke, Financier of the Civil War. S. 513.
r. Reibnitz, Kapitalswanderungen