fullscreen: Lebenserinnerungen

die geschichtlichen Eingaben wurden strenger auf das beschränkt, 
was zum Verständnis der gegenwart erforderlich schien, der Be 
stand der gegenwart wurde schärfer und klarer herausgearbeitet, 
endlich habe ich mit meiner eigenen Überzeugung eine entschiedenere 
Stellung gewonnen. So ist das ganze schon in der zweiten Üuf- 
lage stark von dem geschichtlichen ins Philosophische verschoben. 
Über bei allen Klüngeln hat gleich die erste Üuflage manche freunde 
gewonnen, und sie ist 1880 auf Ünregung des Präsidenten Noah 
Porter durch Professor Stuart Phelps ins Englische übersetzt; das 
war meine erste geistige Beziehung zu Ümerika.* 
Es wurde mir wiederholt nahegelegt, den geschichtlichen Befund des 
Buches von aller philosophischen Kritik abzulösen und daraus ein 
nützliches Handbuch herauszuschälen, was alle Dichtungen gleich 
mäßig hätte befriedigen können. Doch dazu konnte ich mich nicht 
entschließen. Um den grundgedanken des ganzen deutlich heraus 
zustellen, wurde seit der z. Üuflage (lyo/s) der Titel in den „geistige 
Strömungen" verändert; sie liegen fetzt in 6. Üuflage vor. 
Unmittelbar diesem Buch folgte die „geschichte der philosophi 
schen Terminologie, im Umriß dargestellt" 1879. Sie beruhte auf 
eingehenden Studien zur geschichte der Begriffe. Es beschäftigte mich 
damals der Plan einer gesamtgeschichte der philosophischen grund- 
begriffe; aus diesem umfassenderen Plane ist fener Umriß der ge 
schichte der philosophischen Terminologie als Nebenschößling heraus 
gewachsen. 
Uber die Begrenzung eines solchen Unternehmens war ich mir 
völlig klar, nur als eine Einleitung und Ünregung konnte das 
ganze einen Wert besitzen. Inzwischen ist das Interesse für die 
philosophische Terminologie sehr gewachsen, und es sind verschiedene 
* Über Jtoab Porter erschien 1893; Noah Porter. A memorial by friends. 
Edited by George Merriam. New York, Charles Scribner’s sons (IV, 306). 
Er gehörte der älteren generation an, welche in engem Zusammenhange mit dem 
deutschen geiltesleben stand und dasürnamentlich durch Loleridge gewonnen war. 
Er war im Winter 1853/4 in Berlin und war Trendelenburgs Hause befreundet. 
Er verfocht entschieden die Notwendigkeit, in die Liusdrucksweisc und in die Be- 
grifsswelt der deutschen Philosophie gründlich einzudringen. Über meine.Grund 
begriffe" äußerte er sich in seiner Einführung jenes Werkes sehr anerkennend: 
“To the history and criticism of those conceptions, and their terminology, 
Professor Bücken has brought thorough and careful reading, acute and 
candid criticism and a clear and solid style, Whiie he is at hörne among 
the Systems of the past, he seems equally familiär with the controversies 
of the present. Above all, he has studied brevity, and has mastered the 
art of expressing in few words the results of patient research and critical 
discrimination”. 3n Deutschland hat es 15 3ahre gedauert, bis eine neue 
Lluflage erschien.
	        
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