VÜI. Reichtum und sein Gebrauch.
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fallen, ja teilweise ganz verschwunden ist, waren, wie die Stati
stik nachweist, die Arbeitslöhne niemals so hoch, wie sie bis zu
der letzten GesChäftskrise waren; zu gleicher Zeit sind die Kosten
für die notwendigen Lebensmittel fast um die Hälfte gefallen. Groß
britannien hat dauernd eine Einkommensteuer, und unser Amerika
ist zeitweise derselben Steuer unterworfen gewesen. Aus den Auf
stellungen für diese Steuer ergibt sich, daß während der letzten elf
Jahre — von 1876—1887 — die Zahl der Personen mit einem jähr
lichen Einkommen von 3150 bis 10500 M. um mehr als 21 Prozent
gestiegen, während die Zahl derjenigen, die 21000 bis 105000 M.
Einkommen haben, tatsächlich um 2,1 bis 2 Prozent gefallen ist.
Man darf dessen sicher sein: Die Verteilung des Reichtums
unter den gegenwärtigen Verhältnissen greift geradezu reißend um
sich und geht ganz von selbst in wohltuender Richtung vor sich'.
Die wenigen Reichen werden täglich ärmer und die arbeitenden
Klassen täglich reicher. Nichtsdestoweniger werden einzelne Leute
noch immer große Reichtümer erwerben; doch nicht mehr so viel
und so oft wie früher. Vielleicht ist das für die große Menge nicht
gerade so vorteilhaft wie viele glauben, da große Mittel in den
Händen eines unternehmenden Mannes, der immer noch weiter
fortarbeitet, manches Mal die produktivste Form alles Reichtums
darstellen. Betrachten Sie den reichsten, den jemals die Welt
gesehen, und der vor einigen Jahren in Neuyork starb; was
stellte sich dabei heraus? Daß, von einer geringfügigen Summe
für seine eigenen täglichen Bedürfnisse abgesehen, sein ganzes
Vermögen und all sein Überfluß an Gewinn in Unternehmungen
gesteckt war, welche das Eisenbahnsystem unseres Landes (Ame
rika) vervollkommneten, was unserem Volke die billigsten Ver
kehrsmittel in der ganzen Welt sicherte. Ob der Millionär will
oder nicht, unter den nun einmal bestehenden Verhältnissen kann
er das Gesetz nicht umgehen, das ihn zwingt, seine Millionen!
zum Besten der Gesamtheit zu verwenden. Alles, was er selbst
von seinen Reichtümern hat, besteht darin, daß er während seiner
kurzen Lebensspanne in einem feineren Hause leben und sich
mit feinen Möbeln umgeben kann, denen er Werke der Kunst
hinzugesellt; er könnte selbst eine größere Bibliothek und damit
mehr des Göttlichen um sich haben; allein, soweit ich Millionäre