Der kleine Bankier.
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Engagement, das sie an der Börse entrierten, am nächsten
Tag oder schon am Schluß derselben Börse sich mit
Nutzen realisieren läßt, hängt ihr und ihrer Familie
Lebensglück ab. Es handelt sich hier wirklich beinahe
um proletarische Existenzen, die schwer im Kampf ums
Dasein zu ringen haben.
Das Los dieser Kleinen ist aber noch aus einem
anderen Grunde ganz besonders schwierig geworden.
Dieselben großen Banken, die ihnen die Kundschaft fort
genommen haben, regieren auf der Börse und bringen
hier ebenfalls die kleine Bankwelt vollkommen in Ab
hängigkeit von sich. Wenn nicht gerade ganz außer
gewöhnliche Ereignisse ein Machtwort sprechen, ist die
Kursbewegung der Börsenpapiere vollkommen geleitet
von den Banken, und der kleine Bankier, der es wagen
würde, sich gegen ihren WUlen aufzulehnen und gegen
sie ä la hausse oder ä la baisse zu spekulieren, würde
elend zermalint werden. Die Bankiers haben sich denn
auch allmählich daran gewöhnt, die Sklaven der Großen
zu sein, und ihre Haupttüchtigkeit besteht heute zumeist
darin, zu erforschen und vorher zu erfahren, was im
Rate der hohen Bankdirektoren beabsichtigt und be
schlossen ist. Die Klügsten unter den Kleinen haben es
vorgezogen, sich lieber direkt in die Dienste der Bank-
Delt zu geben und für die entflohene Privatkundschaft
Ersatz in Kommissionsaufträgen der Banken zu suchen.
Solche Bankkommissionäre gab es schon lange vor der
Einbürgerung der heutigen Verhältnisse. Wenn in srü-
heren Jahren eine Bank zu bestimmten Zwecken größere
Summen eines Papieres ankaufen oder verkaufen wollte,
so betraute sie oft damit bestimmte Bankfirmen. Denn
wenn sie selbst sich in den Markt gestellt hätte, so wären
'hre Absichten zu früh erraten, ihre Pläne durchkreuzt
worden. Doch früher handelte es sich um gelegentliche