Full text: Berliner Banken

Krawattenbankiers. 
Von Zeit zu Zeit liest man in den Handelsteilen 
der Zeitungen bewegliche klagen über Leute, die sich den 
Titel Bankier bellegen, obwohl sie keinerlei Berechtigung 
dazu haben. Die Handelskammern der einzelnen Orte 
werden dann angegailgen, diesem Unfug ein Ende zu 
bereiten. Meist handelt es sich da um Elemente, die 
das gewerbsmäßige Geldverlcihen zu Bedingungen be 
treiben, deren Schwere den momentanen Nutzen, der für 
den Geldsuchenden geschaffen wird, reichlich durch das 
Verderben, das ihm die Zukunst bringt, aufwiegt. Zch 
will hier dahingestellt sein lassen, ob das zünstlerische 
Eifern dagegen, daß diese Leute sich Bankiers nennen, 
berechtigt ist, und ob es nach dem Buchstaben des Ge 
setzes Erfolg verspricht. Aber so unzweifelhaft es sich hier 
weist um eine schwere Entartung des anständigen Bankier- 
berufes handelt und so gefährlich diese Leute für weite 
kreise des Publikums werden können, mit dem Verbot 
des Titels ist hier gar nichts geschehen. Denn leider sind 
die Grenzen zwischen den eigentlichen krawattenbankicrs 
und den Wucherern, die unangefochten die Bezeichnung 
Bankier führen dürfen, sehr verwaschen. Der Wucher ist 
in natürlich keine besondere Eigenart gerade des Bank 
geschäftes. Geschäftsleute aller Branchen sind daran be- 
teiligt. Aber ebenso natürlich ist das reine Geldgeschäft
	        
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