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Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.
Verhältnis aufgeklärter Industriedespoten zu ihren Ar
beitern bezeichnet. Die Grundlage bildete hier vielmehr
das Gefühl nicht nur beruflicher, sondern auch sozialer
Zusammengehörigkeit. Die Lehrlinge ini Bankgewerbe
rekrutterten sich zu einem Teil aus den Söhnen von
Geschäftsfreunden, zum andern Teil aus solchen jungen
Leuten, die in der Schule etwas besonders Tüchtiges
gelernt hatten. Man forderte fast durchgängig das
Abiturierrtenzeugnis einer höheren Lehranstalt. Das war
auch chis zu einem gewissen Grade notwendig, weil in
der verhältnismäßig kurzen Lehrzeit — sie dauerte in
der Regel nur zwei Zähre — mannigfaltige Kenntnisse
erworben werden mußten. Das Kassawesen, die Buch
führung, der Wechselverkehr, der Handel mit Wert
papieren und Coupons sowie ihre Behandlung mußte der
Bankkommis beherrschen. Dazu kam die Technik der
Börse mit all ihren verschiedenen Verkehrsformen, vom
einfachen Kassageschäft bis zum schwierigen Stellage
handel, von der einfachen Arbitrage zwischen Börsen
plätzen mit gleichen Usancen bis zur Goldarbitrage. Man
wählte wohl auch die Forderung einer höheren Schul
bildung als Mittel zu den: Zweck, nicht allzu junge
Leute in einen Betrieb nehmen zu müssen, der immerhin
doch durch den direkten Verkehr mit dem Gelde und
durch den Besuch der Börse eine Menge von Anfech
tungen bot, wie kaum ein anderer Berus. Die Aus
bildung war eine durchaus gründliche. Die meisten Lehr
linge bekamen gar kein Gehalt, sondern wurden durch
ein sich oft schon im ersten Zähre auf mehrere hundert
Mark belaufendes Weihnachtsgeschenk entschädigt. Da
durch erhielten sie von vornherein mehr den Charakter
von Volontären; den Chefs boten sie keine billigen Aus
beutungsobjekte, sondem was sie leisteten, war ein Ent
gelt für ihre Ausbildung.