relation von Wein und Tuch, auf deren Grundlage sich der inter-
nationale Güterumsatz vollzieht. Wo dieser Preis liegt, und wenn
er irgendwo liegt, warum er gerade an diesem Punkte bzw. gerade
in dieser Relation verharrt, hat Ricardo nicht näher untersucht
— höchstens angedeutet und auch dies nur in einer solchen ihm
eigenen Kürze, daß es schwierig sein dürfte, aus den wenigen Be-
merkungen über diese Frage die Anwendung eines neuen Prinzips
herauszuinterpretieren.
Im allgemeinen mißt Ricardo dem Prinzip von Angebot
und Nachfrage, das J. St. Mill als „antecedent law‘1) bei der
Erklärung der internationalen Tauschvorgänge dem Kostengesetz
vorangestellt hat, keine große Bedeutung bei. Es erscheint ihm als
ein „axiom“‘, das „the source of much error‘“?) in der politischen
Ökonomie gewesen ist.
In einer überzeugenden Kritik dieser Auffassung Ricardos
macht Amonn darauf aufmerksam, daß Ricardo unter „Angebot
und Nachfrage einfach die angebotenen und nachgefragten
Mengen“‘?) verstehe, wodurch er — leicht erklärlich — zur Ablehnung
des Gesetzes von Angebot: und Nachfrage als einer Ursache des
Preises bestimmt worden sei. Dasselbe gilt auch für die Betrachtung
über die Nachfrageverhältnisse im auswärtigen Handel.
Allerdings müssen wir hier eine Einschränkung machen, die
als Ansatz zu einer neuen Preistheorie im Sidifhe der Zuerkennung
einer kausalen Bedeutung an die Faktoren Angebot und Nachfrage
aufgefaßt werden könnte. Gelegentlich der Analyse der Nachfrage-
verhältnisse bezüglich des Inlands- und Auslandsmarktes macht
Ricardo folgende Äußerungen“):
Tritt eine Erweiterung des Marktes ein, d. h. wird der Handel
mit einem anderen Lande eröffnet infolge der relativen Billigkeit
eines Produktes, so kann entweder die Nachfrage nach diesem
Produkt dieselbe bleiben wie vorher, wodurch ein Teil des Ein-
kommens der Konsumenten des ausländischen Produktes für andere
inländische Produkte frei wird — mit dem Ergebnis, daß letztere
im Preise steigen und damit das durch Aufgabe der Produktion des
I) Vel. J- St. Mill, a. a. 0.5. 125.
2) Vgl. Ricardo, a.a. 0.5, 461.
3) Vel. Amonn, a. a. 0.5.85.
4) Vgl. Ricardo, a. a. O. S. 133/34. Wir bemerken gleich an dieser Stelle,
daß die folgenden kurzen Andeutungen Ricardos die Abhängigkeit zwischen Nachfrage
und freigesetztem Kapital eindeutiger ausdrücken, als es später bei J. St. Mill der
Fall ist.
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