ähnlichen Verhältnisse im Hamburgischem Freihafenge-
biet sind aber schon in Köln von mir verwertet worden.
Meine Berufung in den Staatsrat hat im Hinblick
auf meine Vorträge in linksstehenden Vereinen und mein
eintreten für die Bodenreform einiges Aufsehen erregt
und ist von den Zeitungen lebhaft besprochen worden.
Man hat darin ein Anzeichen veränderter Anschauungen
der Regierung auf innerpolitischem Gebiete erkennen
wollen. Einige Zeitungen haben gefunden, daß meine
Berufung kaum im Einverständnis mit dem Fürsten v.
Bismarck erfolgt sein könne. Andere haben gemeint, daß
gerade der Fürst auf mich aufmerksam gemacht haben
werde. Ich würde aber im Staatsrat schwerlich Gelegen-
heit gehabt haben, für meine Reformgedanken zu wir-
ken. Der Verein, den ich gegründet habe, sei nur die Um-
gründung eines älteren, dessen radikales Programm
durch bescheidenere , schrittweise zu verwirklichende For-
derungen ersetzt worden sei. Erörterungen solcher Art
kamen der jungen Bewegung natürlich sehr zustatten.
D): erste öffentliche Versammlung des Vereins für
Bodenbesitzreform hat am 3. März 1890 im Saal
von Gratweil in der Kommandantensstraße 77/79 in Ber-
lin stattgefunden und ist von mir mit einem Hoch auf
unseren Kaiser eröffnet worden. Flürscheim war von
London herübergekommen und hat sehr wirksam ge-
sprochen. Der Verein hat von da an in jedem Monat
zwei Mitgliederversammlungen abgehalten, die in den
Bodenburgschen Vereinsräumen in der Kommandanten-
straße 15 stattfanden und denen gewöhnlich eine kurze
Sitzung des Vorstandes vorangegangen ist. Außer den
Mitgliederversammlungen sind von Zeit zu Zeit in den
verschiedenen Stadtteilen öffentliche Versammlungen ver-
anstaltet worden, die immer gut besucht waren. Es sind
der Bewegung dadurch eine Reihe von trefflichen Mit-
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