Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Sprache und Stil 251 
thetischen oder. auch den erhabenen nehmen. Die Wahl 
muß vom rechten Takt geleitet sein, der alles dem Gegen- 
stande, dem Zwecke, den Personen und den Umständen 
anzupassen und darnach zu bemessen weiß. Mit Recht 
wird namentlich vor den verfehlten Stilblüten gewarnt, die 
besonders in einer wissenschaftlichen Arbeit gar nicht an 
ihrem Platze sind; es sind jene „zahlreichen bildlichen 
Redewendungen . .., die im Lauf der Zeit durch über- 
mäßigen Gebrauch die konkrete Anschaulichkeit gänzlich 
eingebüßt haben, Wendungen wie ‚die blutige Fahne des 
Aufruhrs erheben, den Stier bei den Hörnern packen, sich 
zwischen zwei Stühle setzen, das Kriegswetter tobt‘ u. dgl. m.“ 
(Bernheim 734). 
‘4. Schönheit. Wie schon bei der Disposition so 
kommen auch hinsichtlich der Sprache die ästhetischen 
Forderungen bei der wissenschaftlichen Arbeit zuletzt an 
die Reihe. Unbeschadet der notwendigen übrigen Eigen- 
schaften kann sich aber die Schönheit bei der sprachlichen 
Seite der Arbeit geltend machen in der Wahl von wohl- 
klingenden, bedeutungsvollen, weniger abgenutzten Wörtern, 
im eigentlichen Redeschmuck durch Tropen und Figuren, 
Bilder, Vergleiche, Sentenzen und andere der künstlerischen 
Form entsprechende Eigenschaften. 
Für die sprachliche Seite der Arbeit kann man mit Nutzen ver- 
wenden: Daniel Sanders, Wörterbuch der Hauptschwierigkeiten in der 
deutschen Sprache. *%Berlin 1892; Karl Gustav Andresen, Sprachge- 
brauch und Sprachrichtigkeit im Deutschen. °Leipzig 1903; AC<nton> 
Schlessıng, Deutscher Wortschatz. ‘Stuttgart 1907; Gustav Wustmann, 
Allerhand Sprachdummheiten. *Leipzig 1908; Otto Schroeder, Vom pa- 
piernen Stil. °Leipzig 1906; Friedrich Kluge, Unser Deutsch. Leipzig 
1907 (Wissenschaft und Bildung 1); R. M. Meyer, Deutsche Stilistik, 
München 1906; W. Raleigh, Style. °London 1898; A. Albalah, UL’ art 
d’ 6crire enseigne en 20 lecons. *Paris 1899; ders., De la formation du 
style. Paris 1902; ders., Les ennemis de l’art d’&crire. Paris 1905. 
— Auch Nik. Schleininger, Grundzüge der Beredsamkeit (‘von K. Racke. 
Freiburg 1906) gibt manch nützliche Winke. 
Im einzelnen kann man natürlich über die eine oder andere 
„Sprachdummheit“ verschiedener Meinung sein.
	        
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