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ärztliche Behandlung der Kinder mit den erforderlichen Operationen,
das orthopädische Turnen, die Höhensonnenbehandlung unterbrechen
oft den Unterricht. Auch darin liegt eine starke Behinderung des Un-
terrichtes, daß viele Krüppelkinder den Krüppelschulen leider mit sehr
vorgerücktem Alter (10~14jährig) als völlige Analphabeten zuge-
führt werden und in wesentlich kürzerer Zeit als die Normalkinder ihr
Klassenziel erreichen müssen.
Das Bild in einer Krüppelschule ist ein recht buntes. Neven den
Kindern, die in der Schulbank sitzen können, stehen die Fahrstühle und
die Tragbahren der im Gehen Behinderten und der Kinder, die Gips-
verbände tragen. Wenn es sein muß, wird auch in den Krankensälen
Bettunterricht erteilt. Mit ebensoviel Liebe, Geduld und Nachsicht muß
der Erzieher die Seele jedes einzelnen studieren. Er muß immer
wieder neue Anschauungsmittel ersinnen, um den schnell ermüdenden
Geist des Krüppels anzuregen, er muß mit dem Arzt zusammen
beobachten, wie weit bei besonderer körperlicher Gebrechlichkeit
Schonung am Platze ist und wo Ansporn stattfinden muß. Schwach-
begabte Kinder werden in besonderen Hilfsschultlassen gesondert von
den normal Begabten unterrichtet, damit lettere nicht geschädigt
werden.
Ebenso wichtig wie der Elementarunterricht ist der Handfertig-
keitsunterricht mit besonderen Fröbelkursen, der als Vorschule für die
spätere Berufsausbildung angesehen werden kann.
Immer wieder ist es Aufgabe des Erziehers, die Fehler des
Krüppels zu bekämpfen, gleichzeitig aber auch viel Sonnenschein und
Freude in das Leben der körperlich Behinderten zu senden. Das ge-
[chieht durch die Pflege frohen Gesanges, durch frische Bewegungs-
IPiele im Freien, durch gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge und
durch Veranstaltung von Unterhaltungsnachmittagen, wo möglichst die
Krüppelkinder sselbst durch kleine Aufführungen und Musik zur Be-
teiligung herangezogen werden. Auch kleine Belohnungen bei guten
Leistungen spornen den Krüppel an, besonders wichtig ist das liebevolle
Eingehen auf die Nöte eines jeden einzelnen. Der Krüppel muß es
wissen, daß er bei seinem Erzieher stets das rechte Verständnis und die
zielsichere Beratung findet.
Das wichtigste Erziehungsmittel ist bisher nicht genannt, die reli-
giöse Beeinflussung. Dem Kinde werden wir das Gefühl der Minder-
wertigkeit erst dann wirklich überwinden helfen, wenn wir es mit dem
persönlich in Berührung bringen, der gerade für die Mühseligen und
Beladenen gekommen ist, mit Jesus Christus. Die tiefe innere Seelen-
not vieler Krüppel wird nur dadurch beseitigt, daß unsere Kranken es
lebendig erfahren: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Nur
ein in christlichem Sinne geleitetes Krüppelheim wird die Gewähr da-
für bieten, daß das seelische Krüppeltum überwunden wird.
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