Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

920 Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub. 
Machen sich in dem mit kranken Bäumen hezw. Pflanzen bestandenen Boden 
gegenüber dem mit gesunden Bäumen und Pflanzen bestandenen Boden dieselben 
Unterschiede geltend wie bei den Gewächsen, und zwar im Obergrunde mehr als 
im Untergründe, so kann dieser Befund, wenn sich für den erhöhten Gehalt keine 
andere Ursache als die Rauchquelle finden läßt, mit zur Bekräftigung der für die 
Gewächse gefundenen Ergebnisse dienen. 
Rührt der erhöhte Gehalt des Bodens an löslichen Sulfaten und Chloriden 
aus anderen Quellen her, so ist Vorsicht in der Schlußfolgerung zu empfehlen und 
nur auf eine Bauchbeschädigung zu erkennen, wenn die äußeren Erscheinungen 
der Vegetation hierüber keinen Zweifel lassen. 
In den meisten Fällen wird man freilich einen solchen Mehrgehalt, wenigstens 
an den Säure-Bestandteilen des Rauches, im Boden nicht finden, aber darum soll 
nach A. Wieler (1. c. S. 290) bei Beurteilung von Rauchschäden dem Boden doch 
eine größere Aufmerksamkeit als bis jetzt geschenkt werden. Die Rauchblößen in 
der Nähe der Rauchquellen lassen sich dadurch erklären, daß die Rauchgase über 
haupt kein Pflanzenwachstum aufkommen lassen. Die Rauchblößen um höhere ab 
gestorbene Bäume herum können ebenfalls auf dieselbe Ursache oder auch wie die 
Ansammlung großer Massen unzersetzter Nadeln unter chronisch beschädigten 
Fichten darauf zurückgeführt werden, daß infolge Einwirkung der sauren Rauch 
gase das Leben der Mikroben, die eine Zersetzung der organischen Stoffe bewirken, 
verhindert wird. Es bildet sich saurer Humus, der bekanntlich die Beschaffenheit 
des Bodens verschlechtert und weiter das Pflanzenwachstum schädigt. In der Tat 
konnte A. Wieler im Boden beschädigter Waldflächen eine größere Menge freier 
Humussäuren — über deren Bestimmung vergl. S., 90 —■ gegenüber gesunden Böden 
nachweisen. Man wird in solchen Fällen durch Düngung mit Kalk oder Mergel den 
Boden wieder aufbessern können. 
B. Untersuchung der Rauchgase und Brennstoffe. 
Nicht selten ist es von Belang, in den Rauchgasen den Gehalt an Säure, be 
sonders an schwefliger Säure festzustellen. 
Die Rauchbeschädigungen können ferner nicht allein durch Röstgase aus Röste- 
reien für Schwefelmetalle oder aus chemischen Fabriken, sondern auch und nicht 
selten durch alleinigen Steinkohlen- oder Braunkohlenrauch verursacht werden, 
nämlich dann, wenn dieser sich beständig in konzentriertem, d. h. in wenig mit 
Luft verdünntem Zustande auf die Pflanzen bezw. Bäume niederschlägt und der 
Brennstoff viel flüchtigen Schwefel enthält. So können durch Kalkbrennereien, 
Ziegeleien, Töpfereien, Kokereien, Eisenhütten oder überhaupt größere Fabrik 
anlagen mit niedrigen Schornsteinen, durch Eisenbahn-Lokomotiven beim häufigen 
Durchfahren eng geschlossener Täler usw. recht häufig Rauchbeschädigungen her 
vorgerufen werden und in allen solchen Fällen muß auch das Brenngut auf Schwefel, 
besonders auf flüchtigen Schwefel untersucht werden. 
1. Untersuchung der Rauchgase. Die hier in Betracht kommenden Unter 
suchungsverfahren richten sich stets nach dem Rohstoff, welcher in der betreffenden 
Fabrik zur Verarbeitung gelangt. Es muß deshalb dem untersuchenden Chemiker 
überlassen bleiben, hier das geeignete Verfahren zu wählen. 
In allen Fällen wird man sich eines Aspirators bedienen, mit Hilfe dessen 
eine bestimmte Menge Schornsteinluft durch eine in einer U-Röhre befindliche 
Flüssigkeit (je nach dem zu bestimmenden Bestandteil Bromwasser, Silberlösung 
Normal-Kalilauge, Normal-Schwefelsäure, Jodjodkaliumlösung usw.) durchgesaugt wird.
	        
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