fullscreen : Finanzwissenschaft

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1.  Buch.  Einleitende  Lehren.

mannigfachsten  Zwecke  zu  erfüllen.  Der  bleibende  Zweck  .ist  aber,
das  Individuum  dem  Ganzen  zu  unterordnen.  Dies  ist  aber  nur
dann  möglich  und  namentlich  dem  Ganzen  von  Nutzen,  wenn  die
Individuen  auf  die  höchste  Stufe  des  physischen,  geistigen  und
moralischen  Seins  emporgehoben  werden.  Hieraus  entwickelt  sich
die  Fülle  von  Aufgaben,  denen  der  moderne  Staat  zu  dienen  hat,
die  Fülle  von  Einrichtungen,  deren  er  benötigt.  Hat  der  primitive
Staat,  der  Staat  der  militärischen  Gesellschaft,  der  Soldatenstaat
bloß  Einrichtungen  der  Verteidigung  nötig,  so  muß  der  Staat  der
der  friedlichen  Arbeit  lebenden  Gesellschaft,  der  Kulturstaat,  der
Arbeitsstaat  sich  zu  einem  an  Aufgaben,  an  Beziehungen  mannigfaltigen ­
  kunstvollen  Organismus  entwickeln.
Die  Erfüllung  der  Staatszwecke  setzt  den  Besitz  von  Kräften
und  Mitteln  voraus,  die  hierzu  unentbehrlich  sind.  Die  Beschaffung
dieser  Mittel  kann  in  der  Regel  rationellerweise  keinen  unüberwindlichen ­
  Schwierigkeiten  begegnen,  da  ja  das  Maß  der  vorhandenen
Kräfte  gleichzeitig  das  Maß  der  zu  verfolgenden  Aufgaben  ist.
Der  Organismus  Staat  ist  jedenfalls  mit  der  entsprechenden  Lebenskraft ­
  für  den  Daseinskampf  versehen,  wie  jeder  andere  Organismus.
Organismus  und  Lebenskraft  müssen  überall  im  Gleichgewicht
stehen.  Doch  müssen  wir  die  Gesetze  der  Lebenskraft,  die  die
Staaten  schafft  und  beseelt,  erkennen  und  richtig  beurteilen  und
befolgen.  Der  Kriegerstaat  verfügt  nur  über  so  viel  Kraft,  die  zu
seiner  Erhaltung  insolange  genügt,  als  ihn  der  überwältigende  Wettbewerb ­
  größerer  Staaten  nicht  vernichtet.  Der  produktive  Staat
schafft  sich  die  Mittel,  außer  der  Selbsterhaltung  auch  der  Selbstvervollkommnung ­
  Kräfte  zur  Verfügung  zu  stellen.  Dies  der  Charakter ­
  des  Staatslebens  der  friedlichen,  der  arbeitenden  und  kulturschaffenden
  Gesellschaften.  Leider  zeigt  uns  der  Weltkrieg,  daß
der  moderne  Staat  noch  immer  tief  im  kriegerischen  Wesen  steckt,
so  daß  noch  immer  kolossale  Mittel  beschafft  werden  müssen,  um
die  Selbsterhaltung  des  Staates  zu  sichern,  wodurch  der  friedlichen
Kulturarbeit  viel  Kräfte  entzogen  werden.
Wie  dem  auch  sei,  die  Beschaffung  der  Mittel  zur  Erfüllung
der  Staatszwecke  bildet  an  sich  einen  systematischen  Teil  der  Staatstätigkeit, ­
  die  ihre  wissenschaftlichen  Grundlagen  und  Bedingungen
besitzt.  Diese  wirtschaftliche  Seite  der  Staatstätigkeit,  in  seinen
Einnahmen  und  Ausgaben  zusammengefaßt,  als  Staatshaushalt,  bildet
das  Finanzwesen  als  organischen  Teil  der  Staatstätigkeit.
Der  Staat  ist  das  soziale  Gebilde,  in  welchem  ein  bestimmter
Teil  der  Menschheit,  eine  Nation,  ihr  Leben  lebt  und  ihre  historischen ­
  Aufgaben,  ihre  sogenannte  Mission  erfüllt.  Diese  Aufgaben
            
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