fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
Roman entsteht, der von der Wiedergabe bloßer Eindrücke 
lebt, die gleichwohl Momente festen Urteils bieten sollen. 
Der eigenartige Großstadtroman, der auf diese Weise ent— 
steht und den man wohl Thesenroman nennen könnte, ist zu⸗ 
erst, schon seit den fünfziger Jahren, in Paris entwickelt worden; 
er war hier eine parallele Erscheinung zum Thesendrama der 
Dumas kils und Genossen. In Berlin ergaben sich seit den 
siebziger Jahren langsam natürliche Wachstumsbedingungen 
eines verwandten Romanes; doch begreift es sich, daß die neue 
Form nun nicht ohne starke Pariser Einflüsse zum Durchbruch 
gelangte. Ihr Hauptvertreter war neben Theophil Zolling 
(„Klatsch“ 1888,„Frau Minne“ 1889) und dem weit bedeutenderen 
Fritz Mauthner (Romancyklus „Berlin W“: „Das Quartett“, 
„Der Villenhof“, „Die Fanfare“ 1889 ff.) Paul Lindau (geb. 
1839). Von Lindaus Romanen kommt hier namentlich der Cyklus 
„Berlin“ in Betracht, dem ,Der Zug nach dem Westen“ (1886), 
„Arme Mädchen“ (1887) und „Spitzen“ (1888) angehören. 
Freilich kommt in diesem nicht ganz durchgeführten Cyklus keines⸗ 
wegs das ganze Berliner Leben zu Worte; ein Vergleich etwa 
mit den „Rougon-Macquart“ Zolas ist völlig ausgeschlossen. 
Im ganzen bleibt Lindau vielmehr in dem uralten Thema des 
Salonromans stecken; fast nur das Verhältnis von Mann und 
Weib ist behandelt. Und in der Richtung dieses Themas spitzen 
sich darum auch die Thesen zu, falls solche offen verfochten werden. 
Doch wäre es ungerecht, nicht auch anzuerkennen, welche Fülle 
feiner Beobachtungen großstädtischen Kulturlebens gleichwohl in 
diesen Romanen steckt; Lindau ist ein Mann mit scharfen Augen; 
und was er gesehen hat, das weiß er zwar nicht immer poetisch, 
gewiß aber vielfach künstlerisch darzustellen. Auf das eigentliche 
Gebiet der neuen Litteratur freilich führten diese Berliner 
Großstadtromane Lindaus noch nicht; trotz mancher Neuerungen 
bewegten sie sich noch in der Technik des französischen Romans 
der fünfziger und sechziger Jahre und auf der Höhe des Wirk— 
lichkeitssinnes, der diesem zu Grunde liegt. Moderner in dieser 
Hinsicht ist der im übrigen schwächere Zolling: indes auch bei 
ihm kann trotz mancher Anleihe bei dem Variser Roman
	        
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