fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

286 Neuntes Buch. Viertes Lapitel. 
Bewußtsein der alten welfischen und staufischen Gegensätze sich 
verlor: es war ein Kampf aller gegen alle in anarchischem 
Lande. In seine Wechsel wurde schließlich auch Manfred hin⸗ 
eingezogen; mit seiner Hilfe siegten die tuscischen Ghibellinen 
bei Montaperta über die Guelfen, September 1260. 
Der staufische Triumph veranlaßte neue Befürchtungen der 
Kurie. Papst Urban IV. rief nunmehr den Grafen Karl von Anjou, 
den Bruder König Ludwigs IX. von Frankreich, als päpstlichen 
König Siziliens herbei. Mit unerhörter Kuͤhnheit entsprach 
Karl dem Rufe; am 26. Februar 1266 besiegte er auf dem 
Rosenfelde bei Benevent den staufischen Manfred; Manfred 
selbst sand den Tod. Karl ward Herr des Landes, und er sorgte 
dafür, daß kein Glied des manfredischen Hauses die Herrschaft 
ihm streitig mache: eine Tochter Manfreds schmachtete achtzehn 
Jahre im Burgverließ zu Neapel; die drei Söhne des Königs 
sahen nie mehr den Tag der Freiheit. 
Aber noch wuchs in Deutschland ein letztes Reis aus stau⸗ 
fischem Stamme. Nach dem Abzug König Konrads hatte seine 
Gemahlin ihm noch einen Sohn geboren, Konradin; ihm blieben 
das Herzogtum Schwaben und die Reste des Hausguts. 
Jetzt riefen ihn die Ghibellinen Siziliens, und würdig 
seiner Ahnen erfüllte er ihre Hoffnung. Mit wenigen Getreuen 
verließ er im Jahre 1267 die Heimat; mit kleinem Heere durch⸗ 
zog er siegreich die Lombardei; in Rom empfing ihn der Bann⸗ 
fluch des Papsts und der Wonnegesang des Volkes. Aber er 
strebte weiter, dem sizilischen Erbe zu. Mit mäßiger Heereskraft 
überschritt er die Grenzen Neapels; bei Alba ward er besiegt, 
nach der Niederlage gefangen. Am 29. Oktober 1268 starb der 
letzte Staufer auf dem Karmelitermarkt zu Neapel den Tod 
durch Henkershand. 
VI. 
In Deutschland war, wie wir uns erinnern, der Thüringer 
Landgraf Heinrich Raspe am 22. Mai 1246 zum Gegenkönig 
gegen die Staufer gewählt worden: zum „Pfaffenkönig“, denn 
außer einigen Edlen und Ministerialen hatten sich nur geistliche
	        
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