Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

und reaktionäre Regierungen herrschen unter verschiedenen Formen in Spa- 
nien, in der Türkei, in Ungarn, in Rumänien, in Bulgarien und in Griechen-' 
land. Fast alle Staaten, die im Gebiet des früheren österreich-ungarischen 
Kaiserreiches entstanden sind, besitzen keine Freiheit mehr, vor allem nicht 
die weiten Gebiete mit Bevölkerungsmassen gemischter Nationalität. Oft wer- 
den Minderheiten von völkischen Mehrheiten erdrückt; manchmal sind es 
die Minderheiten, welche sich den Mehrheiten aufzwingen. 
In Großbritannien, in Frankreich, in Belgien, in Holland, in Skandinavien, 
selbst in Deutschland scheinen die Demokratie und die liberalen Staatsformen 
nichts befürchten zu müssen und endgültig gesichert zu sein. Aber auch in 
den alt - demokratischen Ländern fehlt es nicht an reaktionären Parteien, 
die nach  Minderheitsregierungen, welche auf Gewalt beruhen, nach mehr 
oder minder verhüllten Diktaturen streben. In Frankreich wie in Deuitsch- 
land gibt es Parteien, welche sich zu allen reaktionären Grundsätzen bekennen: 
Klerikalismus, Antisemitismus, Militarismus, Monarchismus und nach Re- 
gierungsformen trachten, welche schon endgültig beseitigt zu sein schienen. 
Ganz widersinnig ist es aber, daß es selbst in England kleine Minderheiten 
gibt, welche Bewegungen zu begünstigen scheinen, die sich auf die britischen 
Inseln nicht verpflanzen lassen. Es gibt dort konservative Zeitungen, welche 
von Reaktionären des ancien regime geschrieben zu sein scheinen, und andere, 
welche sich darauf beschränken, die Gewaltherrschaft in den Ländern, wo 
sie herrscht, zu loben und zu verteidigen, da sie es nicht wagen, sie als Re- 
gierungs-System für ein freies Land wie Großbritannien zu empfehlen. 
Auch in freien Ländern sieht man oft recht falsche Grundsätze wieder zu 
Ehren gelangen: die Anbetung der Gewalt, den Kultus des nationalen Staates, 
die bald versteckte, bald offene Verachtung für die Parlamente. Dies sind in 
guter oder schlechter Verkleidung die Grundsätze des alten Absolutismus. 
Die Völker kämpfen nicht mehr wie in der Frühzeit der alten Demokratien 
gegen die Macht der Fürsten. Fürsten gibt es fast nicht mehr, und ihr per- 
Sönlicher Einfluß ist, außer in wenigen Ländern, sehr beschränkt. Aber die 
freien Völker müssen sich heute gegen kühne und aufrührerische Minder- 
heiten verteidigen. 
Es gibt rote Minderheiten, welche eine Gefahr darstellen, aber sie ver- 
ursachen Gegenbewegungen selbst im Arbeiterstand, und sie haben fast nir- 
gends Aussicht, zu siegen. Sie dienen oft als Grund oder als Vorwand für die 
Bildung von weißen Minderheiten, welche bei den reichen Klassen, vor allem 
bei den Kriegsgewinnlern, starke Zustimmung und direkte oder indirekte 
Unterstützung finden. 
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