Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

Se Noch heute gibt es viele Anhänger der Gewalt, gibt es wiedererwachende 
Formen des Klerikalismus ; es bestehen schon Diktaturen, andere bereiten 
vi sich vor. Vor zehn Jahren, in der Stunde der Gefahr, predigte man die Ver- 
ir einigung der Völker, die Notwendigkeit der Abrüstung : der Krieg sollte den 
ze Frieden vorbereiten. Und nun haben wir mehr Menschen in Waffen als 
os früher ; wir sind geschiedener als je, und das Regime der F reiheit hat viel- 
leicht seit einem Jahrhundert nicht so viele Feinde gehabt wie heute. 
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°0- DIE LEHREN DER FREIHEIT UND DIE FREIEN VERFASSUNGEN 
lie IM 19. JAHRHUNDERT 
u Wir stehen also in einer reaktionären Zeit. Handelt es sich um ein vor- 
N übergehendes Phänomen ? Oder befinden wir uns vor einem langen Stillstand 
N auf dem Wege unserer Zivilisation ? 
8 Diese Fragen finden ihre Antwort durch das Studium der europäischen 
' Krisen nach den großen Kriegen. Die Krise ist diesmal größer, weil der Krieg 
größer gewesen ist, ja an Umfang und Gewalt jeden früheren Krieg über- 
troffen hat. 
Ne Die Generation nach dem Kriege scheint nicht mehr den gleichen Glauben 
ne an die Freiheit und an die Demokratie zu besitzen. Wir sind in der Über- 
Wi zeugung erzogen worden, daß die Freiheit nicht nur ein notwendiges Element, 
En sondern das Lebenselement sei. Es gab vor dreißig Jahren Grundsätze der 
ie politischen, wirtschaftlichen und religiösen Freiheit, die ein dauernder Besitz 
ler des fortgeschrittensten Teils der Menschheit schienen. Wir alle haben unsere 
N geistige politische Erziehung in Universitäten und Parlamenten vor allem 
or nach dem Vorbild der englischen Philosophen der liberalen Schule orien- 
_ tiert. John Stuart’s Buch „On Liberty‘“ hat zwei Generationen vor dem 
in Krieg zu liberaler Gesinnung erzogen. Wir betrachteten es nicht nur als ein 
ne Meisterwerk englischer Weisheit, sondern auch als ein Dokument des prak- 
üschen Geistes im britischen Volk. Wir waren von dem Nachteil jeder un- 
K AO Einschränkung überzeugt. Wir betrachteten die Freiheit als einen 
N abso. uten Wert und die menschliche Persönlichkeit in der harmonischen 
en Entwicklung ihrer moralischen und geistigen Eigenschaften als unantastbar. 
HB Wir glaubten Say die Freiheit nicht nur als Norm des bürgerlichen Lebens, 
at an als an ein allgemeines Ziel, maßgebend für alle anderen geistigen, 
e ürgerlichen und politischen Lebensziele. Über die religiöse Freiheit war 
für uns nicht mehr zu streiten. Wir waren alle überzeugt, daß es für die 
di Bolschewismus 2 
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