Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

die Regierung von Moskau oft Sympathie für den Fascismus zeigte, mit 
welchem sie stets in freundschaftlichen Beziehungen stand. Man ist heute in 
Italien duldsamer gegen Kommunisten, die Moskau anhängen, als gegen Libe- 
rale und Demokraten und gemäßigte Sozialisten. Während man im allge- 
meinen jede Art von Opposition unterdrückt und verfolgt, hält man es aus 
innerpolitischen Gründen für nützlich, die kommunistische Opposition, und 
nur diese, in der Öffentlichkeit zu dulden. Man flößt dadurch den besitzenden 
Klassen den Glauben ein, daß das Ende der Diktatur den Triumph des Kom- 
munismus bedeute. In beiden Systemen — Bolschewismus und Fascismus — 
verfügt eine bewaffnete Minderheit über den Staat. Es ist die Gewalt, welche 
die Rechtsverhältnisse regelt und jede freie Meinungsäußerung unterdrückt. 
In ganz Europa gibt es Männer, die zu dem einen oder dem anderen System 
neigen. Es ist das Charakteristische dieser Systeme, welche die Ordnung ver- 
leugnen, daß sie ihre Wirkung auf das Ausland übertragen müssen. Einige 
Jahre hindurch hatte der Bolschewismus den Wahn, überall die Revolution 
verbreiten zu können. Mit ähnlichen Mitteln will der Fascismus, indem er 
sich auf reaktionäre Gruppen stützt, überall reaktionäre Bewegungen hervor- 
rufen. Der erste Versuch brachte Europa großen Schaden, obwohl er miß- 
lang; der zweite wird noch größeren oder doch nicht geringeren Schaden 
bringen, obwohl auch er mißlingen wird. Wie es nicht zur_Weltrevolution, 
kam, wird es auch nicht zur Weltreaktion kommen. 
Ungebildete (und leider sind diese, auch ın den Klassen, die sich selbst als 
die führenden bezeichnen, die Mehrzahl) sind oft nicht einsichtig genug, um 
die Wohltaten der Freiheit zu erkennen. 
Nur die ernste Beschäftigung mit national-ökonomischen Problemen ‚be- 
fähigt, die Wohltaten der freien Wirtschaft und des ungehinderten Güter- 
austausches zu verstehen und werten zu können. Aber das Schutzzoll-System, 
welches den Kampf um Gewinn zu erleichtern und den Wettbewerb wie auch 
die Nachteile des Konkurrenzkampfes zu mindern scheint, übt auf die Indu- 
striellen und oft genug auch auf die Arbeiterführer starke Anziehung aus. 
Bevor ich als erster Minister an der Spitze der italienischen Regierung, 
stand, war ich lange Handelsminister und dann Finanzminister gewesen. Ich 
fand oft Spekulanten, Kapitalisten und Arbeiterführer einig in der Forderung 
von Schutzzöllen und Maßnahmen zur wirtschaftlichen Grenzverteidigung. 
Sie zeigten sich geneigt, mich mit allem Respekt für einen bloßen Theoretiker 
zu halten, als ich ihnen zeigte, wie gefährlich das, was sie erstrebten, sei. Die 
Großindustriellen, wie die großen Bankiers, verwechseln gern die Interessen 
ihrer eigenen Betriebe mit denen des Vaterlandes. 
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