der Gewichtigkeit, die man ihm beilegt, bemerken wir fol
gendes: Sieht man denn nicht, dass von diesem Gesichts-
puncte aus das collectivistische System über dieselben
Hilfsmittel wie das capitalistische verfügen würde?
Was geschieht denn heute, wenn es in einem In
dustriezweig zu viele Arbeiter giebt ? Die Löhne sinken.
Und sie steigen andererseits, wenn es zu wenige giebt.
Dasselbe Gesetz würde auch in einer collectivistischen
Gesellschaftsordnung wirken : nachdem die notwendigen
Unkosten und die an jedem zu zahlenden Minimallöhne
gedeckt sind, würde in jedem Productionszweig der Teil
des Ueberschusses, der auf den einzelnen entfiele, um so
kleiner sein, je mehr Teilhaber daran vorhanden wären.
Folglich würden die beliebtesten Gewerbszweige verhält
nismässig am wenigsten einbringen; die unbeliebten Ge
werbe, die undankbaren und gefährlichen Arbeiten würden
eine erheblich bessere Bezahlung erhalten. Es würde
nur ein einziger Unterschied, allerdings ganz und gar zu
gunsten des Collectivismus bestehen : heute ist infolge
des mangelhaften gewerblichen Unterrichtes der Ueber
gang aus einer Branche in die andere mit fast unüber-
steiglichen Hindernissen verknüpft, während man das in
einem socialistischen Staate ganz anders einrichten könnte.
Sollen wir noch näher die Probleme untersuchen, die
die Organisation der Arbeit in der collectivistischen Ord
nung darbietet? Sollen wir z. B. untersuchen, wie und
in welchem Masse die vereinigten Arbeiter an der Leitung
der Unternehmungen und an der Auswahl des leitenden
Personals beteiligt sein würden ? Das hiesse vollständig
übersehen, dass derartige Lösungen notwendigerweise nach
Zeit, Art, Industriezweigen, nach dem Grade der intel-
lectuellen und moralischen Entwickelung der Producenten
verschieden sein müssen.
So notwendig es ist, präcise und praktisch zu sein,
wenn es sich darum handelt, Massnahmen von einem
Tage zum andern zu treffen, so kühn und phantastisch
Vandervelde: Die Entwickelung zum Socialismus.
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