Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Kapitel IV. 
Nachfrage und Angebot von Arbeits 
kräften, 
(Landarbeiternot oder Uaberschuss an Arbeitskräften?) 
Wie wir im Kap. 111 zu zeigen versucht haben, werden verschiedene 
Kategorien der neurussischen Bauernschaft durch den kläglichen Zustand 
ihrer Wirtschaft gezwungen, nach Erwerbsquellen ausserhalb ihrer eigenen 
Wirtschaft zu suchen. Die Wandlungen in den wirtschaftlichen Ver 
hältnissen der Bauernschaft müssen also auch auf die Arbeiterfrage in 
der südrussischen Landwirtschaft ihren Einfluss üben und zwar in doppelter 
Richtung: Werden Massen der neurussischen Bauern durch ihre bedrängte 
Lage zu Lohnarbeitern, die sich mittels des freien Arbeitsvertrages ver 
dingen, so führt die Wandlung in der wirtschaftlichen Lage der neu 
russischen Bauernschaft auch dahin, dass viele Bauern, ohne Landarbeiter 
zu werden, sich doch für Naturallohn und zwar unter ungünstigen Arbeits 
bedingungen verdingen. 
Diese beiden Erscheinungen fallen aber in ihrer Bedeutung für die 
Arbeiterfrage in der neurussischen Landwirtschaft zusammen. — Sowohl 
im ersten wie auch im zweiten Falle führt die bedrängte Lage der neu 
russischen Bauernwirtschaft zur Vermehrung des Angebotes von Arbeits 
kräften und zur Verminderung des Bedarfes an Wanderarbeitern. 
Die Zahl der einheimischen grundbesitzenden wie besitzlosen Bauern, 
die sich als Landarbeiter verdingen, nimmt immer zu. Die früheren 
Klagen über den stetigen Mangel an Arbeitskräften werden immer seltener 
und trotz des immer noch grossen Bedarfes an Arbeitskräften der fort 
währenden grossen Erweiterung der Anbaufläche wegen, wird doch der 
Bedarf an Wanderarbeitern immer geringer. 
!m Jahre 1892 hat S. Korolenko in seiner Schrift über «Die Lohn 
arbeit in der gutsherrlichen Wirtschaft» die Klagen der Gutsherren über 
den Mangel an Arbeitskräften gerechtfertigt, indem er den zu jener Zeit
	        
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