Object: Theorie der forstlichen Oekonomik

Forstlicher Zinsfuß. r.1 
Die Frage der Existenz eines objektiven forstlichen Zinsfußes steht 
in engem Zusammenhange mit der Frage der Existenz eines objek - 
tiven Wald wertes, auf die im letzten Abschnitt dieser Arbeit 
eingegangen werden wird. 
Gegen den festen forstlichen Zinsfuß ist von vornherein einzuwenden, 
daß einerseits die verschiedenen forstlichen Betriebe sich sicherlich nicht mit 
einem bestimmten Zinsfuß, sondern ganz verschieden rentieren, und daß 
anderseits der feste forstliche Zinsfuß in einer Höhe bemessen ist, die 
von der Verzinsung anderer sicherer Kapitalanlagen mindestens zeitweise 
sehr beträchtlich abweicht. 
Wir wollen nun zunächst nicht den objektiven, sondern den tatsächlich 
sich ergebenden forstlichen Zinsfuß t; als Verhältnis des Waldrein- 
ertrages R zum Waldwerte W unter Zugrundelegung des Nachhalt- 
betriebes betrachten. Der Ausdruck „Wert“ wird in diesem Abschnitt ohne 
Kritik in dem bisher in der Waldwertrechnung üblichen Sinne gebraucht. 
In dem Ausdrucke e > Es ist bekannt nur die Größe R. Im Wege 
der Rechnung ermittet man W, indem man ein gutachtlich oder 
aus der Verzinsung anderer gleichartiger Betriebe hergeleitetes p einsetzt, 
und umgekehrt findet man p, wenn W als Antktaufspreis oder durch 
Schätzung bekannt ist. Die ersste Frage nach dem W aldwert wird 
man insbesondere zum Zwecke der Vermögensbesteuerung oder Erbteilung, 
die zweite Frage nach der R ent a b i lit ät zum Zwecke der Beurteilung 
des Wirlschaftserfolges und seiner Vergleichung mit dem anderer gleich- 
artiger Betriebe stellen. 
Ist p die gesuchte Unbekannte, so würde die herkömmliche Wald- 
wertrechnung keine Bedenken tragen, den Waldwert als Summe des 
Boden- und Bestandswertes in der Weise festzustellen, daß der Bodenwert 
als maximaler Bodenertragswert, die Einzelbestandswerte, soweit die 
Bestände nicht nach dem Verwertungspreise eingesetzt werden können, als 
Kosten- oder Erwartungswerte mit dem objektiven forstlichen Zinsfuße 
von 3 '%/% berechnet werden, obwohl die Aufgabe der durchgeführten 
Rechnung ja gerade die Herleitung des erwirtschafteten Verzinsungs- 
prozentes ist. Damit würde die Rechnung in den Fehler verfallen, den 
Lief mann in seinen Schriften wiederholt geißelt: „Man kann aus 
diesem Ertrage wohl einen Ertragswert berechnen, aber es ist unmöglich 
und ein Zirkel, an einem solchen „Wert“ die Erträge vergleichen oder
	        
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