Full text: Logik des Geldes

28 Zweites Kapitel. Das Problem des Endes als fundamentale Aufgabe usw. 
In verschiedener Hinsicht scheint die Parallele der Anti 
nomie zutreffend. Mit dem gleichen Zwange wie jene alte 
metaphysische Aufgabe drängt sich das Geldproblem in un- 
sern Gedankenkreis. Auch beim Geldproblem taucht dem 
ehrlichen Denker zuweilen der Verdacht auf, daß die Ver 
nunft mit sich selbst in Widerspruch gerate. Immer von 
neuem müssen wir darüber nachsinnen, ob die Welt einen 
Anfang und ein Ende in Zeit und Raum hat. Die Unendlich 
keit läßt sich nicht vorstellen. Immer wieder taucht die 
Frage auf: Wenn die Welt einen Anfang hat — was war 
vorher? Wenn sie ein Ende hat — was kommt nachher? 
Und wie steht es beim Geldproblem ? Da erklärt der Laie 
in der Diskussion über Papiergeld: »Es mu ß doch eine Ein 
lösung geben, anders kann man es sich nicht vorstellen, es 
wäre ja sinnlos, wenn im Papier eine Befriedigung liegen 
sollte.« Und doch — worin soll diese Einlösung bestehen? 
in Metallgeld? Aberbietet dieses wirklich eine Befriedigung? 
Reicht die Verwendbarkeit für Schmuck und Industriezwecke 
wirklich aus, die Aussicht der endlichen Befriedigung in un 
seren Vorstellungen allgemein zu garantieren? Oder aber 
soll die Einlösung in Waren oder Diensten bestehen? Kann 
man das als Befriedigung gelten lassen? Sind nicht Waren 
leicht verderblich und zerstörbar? Ist nicht ihre Verwen 
dungsmöglichkeit im Vergleich zum Gelde eine sehr ein 
seitige und beschränkte? Aber eine Einlösung als Ende 
schien doch logisch erforderlich? Oder doch nicht? Gibt es 
nicht noch eine dritte Auffassung, nach der das Geld ohne 
Ende ist? Ja, entspricht nicht diese Unendlichkeit dem eigent 
lichen Geldbegriff? Und wenn das logische Ideal des ewig 
vermittelnden Geldes im Leben niemals »rein« erscheint,, 
liegt dies nicht bloß an der Unvollkommenheit menschlicher 
Einrichtungen?.... 
Wenn wir an ein Papiergeldsystem denken, so empfinden
	        
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