Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

7 Die Werttheorie 
nach dem Böhm-Bawerk vergebens sucht, einfach nicht vor- 
handen. Etwas komplizierter stellt sich die Sache für die 
Käufer, die die Produkte für den eigenen Bedarf kaufen. (Von 
den Produktionsmitteln ist noch weiter unten die Rede.) Aber 
auch hier ist der Böhm-Bawerksche Weg ungangbar. Denn jede 
„Hausfrau“ geht in ihrer „Praxis“ einerseits von den bestehenden 
Preisen, andererseits von der zu ihrer Verfügung stehenden Geld- 
summe aus. Nur innerhalb dieser Grenzen kann eine gewisse 
Wertung nach dem Nutzen erfolgen. Wenn man für eine gewisse 
Geldsumme x Ware A oder y Ware B oder z Ware C kau- 
fen kann, so wird jedermann diejenige Ware vorziehen, die für 
ihn größeren Nutzen hat. Doch setzt eine derartige Wertung das 
Vorhandensein von Marktpreisen voraus. Und ferner: Die 
Wertung jeder einzelnen Ware wird keineswegs vom Nutzen der- 
selben bedingt. Ein klares Beispiel stellen die Gegenstände des 
täglichen Gebrauchs dar: Keine einzige Hausfrau, die auf den 
Markt einkaufen geht, schätzt das Brot nach seinem unendlich 
hohen subjektiven Wert ein, im Gegenteil schwankt die Wer- 
tung um die bereits bestehenden Marktpreise; dasselbe gilt 
auch für jede andere Ware. 
Und so kann der isolierte Mann Böhm-Bawerks (ganz gleich, 
ob er an einer Wasserquelle sitzt oder in der „glühenden Wüste‘ 
reist) vom Standpunkte der „Wirtschaftsmotive‘“ aus nicht mehr 
verglichen werden — weder mit dem Kapitalisten, der seine Ware 
auf den Markt bringt, noch mit dem Händler, der die Ware zum 
Wiederverkauf erwirbt — nicht einmal mit dem einfachen Käu- 
fer, der unter die Bedingungen der Geld-Warenwirtschaft gestellt 
ist, ganz gleich, ob er Kapitalist oder Händler ist. Daraus folgt, 
daß man weder den Begriff des „Gebrauchs werts“ 
(von Marx) noch den des „subjektiven Gebrauchs- 
werts‘“ (von Böhm-Bawerk) zur Grundlage einer 
Preisanalysemachen kann. Der Gesichtspunkt Böhm- 
Bawerks steht in krassem Widerspruch zur Wirklichkeit, die 
doch Böhm-Bawerk zu erklären sich zur Aufgabe stellte. 
Das gewonnene Ergebnis, daß nämlich der Gebrauchswert 
keine geeignete Grundlage für die Analyse des Preises bietet, 
ist auch für diejenige Stufe der Warenproduktion richtig, auf der 
nicht das ganze Produkt auf den Markt kommt, sondern nur der 
„Ueberschuß des Produktes‘, da es sich dabei nicht um den 
Wert des in eigener Wirtschaft konsumierten Produktes handelt, 
sondern gerade um den Wert dieses „überschüssigen“ Teils. Die 
Preise kommen nicht auf Grund der Wertungen der Produkte 
schlechthin, sondern der Ware zustande; die subjektiven Wer- 
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