Object: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4. Der deutsche Kaufmann im Ausgange des Mittelalters. 
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4. Der deutsche Kaufmann im Ausgange des Mittelatters. 
Von Georg Steinhaufen. 
5 teinhausen. Der Kaufmann in der deutschen Vergangenheit. Leipzig, Eugen Diederichs, 
WYA. S. so—37. 
Wir können bereits im 12. und 13. Jahrhundert von einer Landelsaristokratie 
in Deutschland reden. Wenn der gewöhnliche Kaufmann einfache Wollenstoffe trug 
und sein Laupt mit einfacher Kappe deckte, so zeigte der große Landelsherr auch in 
seinem Äußeren stolze Pracht, wenigstens daheiin. Mit kostbarem Pelzwerk waren 
Rock und Mantel gebrämt, und mannigfaltige Farben zeigten die feinen Kleidungsstücke, 
reich verziert war der Gürtel, und an der Land glänzten die Ringe. Dem entsprach 
Wohnung und Lebensweise. Der reiche Laushalt des Kaufmanns Wlmür zu Munleün 
(Laon) ist aus Wolfram von Eschenbachs Wilhelm von Orange bekannt: er mag auch 
für diejenigen deutscher Großkaufleutc bezeichnend sein. Reich ist die Ruhestätte, die 
Wkmür dem Markgrafen anbietet: „Polster und Plumeau mit Pracht hieß auf den 
Teppich nun der Wirt hinlegen." Üppig ist die Tafel, die er Herrichten läßt, aller 
dings, wird hinzugefügt, lebte er für sich bescheidener. Dem Markgrafen aber läßt er 
aufttagen. „Nach Kaufmanns Ehrenweise 
Gar mannigfalt'ge Speise 
Gesottnes, sowie Braten . . . 
Lind das Getränk wär' einzuschenken 
Sogar dem Kaiser ohne Scheu." 
Gebratener Pfau in feinster Sauce, „Kapaun, Fasan, Rebhuhn, in Gallert die 
Lamprete" werden als Gerichte aufgezählt. Schließlich bietet ihm der Kaufmann auch 
noch Gewand an, „daß der Franzosen ganzes Land nicht bessre Kleidung kann erzeugen." 
Der Typus eines solchen mittelalterlichen Großkaufmanns in Deutschland ist aber 
der gute Gerhard von Köln, der Leid des gleichnamigen Epos von Rudolf von Ems. 
So wird uns die Vermählung seines Sohnes in einer Weise geschildert, daß wir an 
einem glanzvollen Edelsih uns zu befinden glauben. In dem großen Lose werden die 
Ritterspiele abgehalten, — kurz, das Ganze hat einen durchaus höfischen Anstrich. Man 
darf das nicht der Willkür des Dichters beimessen, etwa weil zu jener Vermählung zahl 
reiche Ritter geladen waren. Die reichen Kaufleute lebten vielmehr in der Tat in 
glanzvoll höfischer Weise, und das Abhalten von Turnieren war auch ihnen ein ge 
wöhnliches Ereignis. Die Magdeburger Schöppenchronik erzählt uns z. B. von dem 
Ritterspiel der Kaufleute im Jahre 1226: Da war ein gelehrter Mann, Brun von 
Schönebeck, der sollte das Spiel dichten und inszenieren, „des makede he eynen Gral 
und dichte hovesche breve, de fände he to Gosler, to Lildensheym und to Brunswygk, 
Ouedelingeborch, Lalberstad und to anderen Steden. And ladeden to sik alle kopludc, 
de dar ridderschop wölben oven, dat se to en quemen to Magdeborch." Die jeunesse 
ckoree aus den Städten langte denn auch in bunter Rittertracht an, der Sieger war 
„eyn olt kopman von Goslere." 
Die reichen Kaufleute jener Zeit müssen eine überaus angesehene Stellung ein 
genommen haben. Die Äußerung des guten Gerhard, auch als Königstochter könne 
eine diesen Namen fahren lassen und ein „koufwlp" heißen, zeigt den Stolz desselben, 
und der Dichter läßt ihn überdies zu hoher Stellung und Ehre gelangen. In diesem 
Gedicht findet sich keine Spur des Zurücktretens des Kaufmanns vor dem Adel. So 
büßen z. B. auch in dem Gudrungedicht die hegelingischen Leiden, die als Kaufleute 
verkleidet zu König Lagen kommen, durch diese Verkleidung nichts an Ehren bei ihrem
	        
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