Bisherige Behandlung und Abgrenzung der Theorie der forstlichen Oekonomik. 7
\ ch a f t e r s erforderlich, die, wie erwähnt, einen Bestan eil der „Forst-
ökonomie“ der Alten bildete. Trotz der mangelnden Schärfe des Begriffes
Technik dürfte eine genügend klare Grenze dadurch gegeb sein, daß
Verfasser alles, was die Technik des forstlichen Betriebes zum Ge
hat, aus seiner Darstellung der Theorie der forstlichen Ökonomik aus-
zuscheiden beabsichtigt. Hierbei ergibt sich zugleich die Aufgabe der vor-
liegenden Arbeit, in Forstwissenschaft und Forstwirtschaft der theoretischen
Ökonomik mehr als bisher zu ihrem Rechte zu verheifen; denn auch heute
noch gilt, was Wappes:) 1909 schrieb: „Wir hängen immer noch zu sehr
an der Technik, am Stoff. Jedenfalls wären wir weiter, wenn das
Prinzipielle der Frage besser in das Fach eingedrungen wäre.“
Es bleibt noch die Frage zu beantworten, ob der Vertreter der Forst-
wissenschaft oder der Vertreter der Wirtschaftswissenschaft berufen ist, die
Beziehungen der Jorstwissenschaft zur Wirtsschaftswissenschaft einer wissen-
schaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Diese Frage brauchte nicht erörtert
zu werden, wenn nicht Lie f m ann, nach scharfer Polemik gegen einige
wirtschaftswissenschaftlich eingestellte Arbeiten jüngerer Forstwissenschaftler,
diesen allgemein die Befähigung zur Behandlung des in Rede stehenden
Gebietes abgesprochen hätte’). Liefmann findet es an sich „sehr erfreulich,
wenn sich unter den jüngeren Forstwissenschaftlern einige finden, die engere
Verknüpfung mit der Privat- und Volkswirtschaftslehre suchen. Nur dürfen
sie nicht glauben, nach dem Studium einiger Literatur, ja, selbst mit dem
Erwerb des nationalökonomischen Dottors, dieses ganze große und
schwierige Gebiet zu beherrschen und maßgebende Erkenntnisse aufstellen
zu können“. . „Die Volkswirtschaftslehre und die Privatwirtschaftslehre
sind heute noch in einem so verworrenen Zustand, . .. daß, wer von
der Forstwissenschaft an sie herantritt, unter Umständen eher verwirrt
wird. . . . Vielmehr entspricht es der Natur der Sache, wenn d i e Ver -
treter. der Privat- und Volk s wirtsschaftslehre ihre
Erkenntnisse und Erfahrungen auf die Forstwirt-
s< a ft anwenden und dadurch den Jorsstleuten weitere Anregungen
geben.“
Ich meine, wer als Vertreter der Forstwissenschaft an die Wirtschafts-
wissenschaft herantritt und das „Beziehungsgewebe“ beider Wissenschaften
zu ergründen sucht, wird sich der außerordentlichen Schwierigkeiten der
unternommenen Arbeit bewußt sein, wird sich bewußt sein, daß er etwas
1) Lorenz Wappes, I]. c., S. 28.
?) Robert Liefmann, Volks-, Privat- und Forstwirtschaftslehre in ihren
Beziehungen, in der Zeitschr. f. Forst- und Jagdwesen, Märzheft 1925, S. 180.