Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromanmik. 
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fest zu fußen glaubte, so wurden die Deduktionen des Descartes 
ind der ihm folgenden Philosophen dennoch nicht dem mathe— 
matischen Verfahren, sondern bloßen Analogieschlüssen zu den 
im mathematischen Verfahren ergründeten Zusammenhängen 
berdankt, waren also im allgemeinen willkürlich. 
War dies aber der Fall, so blieb die Lage eigentlich die— 
selbe wie im 16. Jahrhundert; nur auf dem Wege tiefsinniger 
Spekulation, mit unzureichenden Mitteln des Denkens, waren 
Selbstbewußtsein und Gottesbewußtsein, jene Pole der indivi— 
dualistischen Welt, auch hier wieder miteinander verknüpft 
worden. In der Tat: wie anders als auf dem Wege der 
Intuition, der überzeugt gehandhabten und nicht selten un— 
mittelbar in mystischer Verzückung gefundenen Prämissen waren 
denn die großen Rätsel des Daseins zu lösen, mochte die Dar⸗— 
stellung des Errungenen selbst im VPanzergewand mathematischer 
Beweise glänzen? 
Und so treffen denn der binnendeutsche wie der nieder— 
ländische Zweig der nationalen Philosophie im 16. und 17. Jahr⸗ 
hundert darin zusammen, daß in beiden das Denken deduktiv 
aund in den entscheidendsten Fällen zugleich mystisch verlief. 
Stand es aber mit der Philosophie Leibnizens, in der in 
gewissem Sinne die beiden genannten Zweige ihre Fortsetzung 
fanden, etwa anders? Faßt man die Monadenlehre als eine 
Vermittlungsentwicklung des binnendeutschen Pandynamismus 
und des niederländisch-cartesianischen Panmechanismus des 
16. und 17. Jahrhunderts, so tritt als wesentlich hervor, daß 
Leibniz von dem physikalischen Begriffe des Atomes das Ma— 
terielle abstreifte und es zu der Monas, richtiger zu einem 
Systeme von Monaden verdichtete, als deren Substanz eine 
innen wirkende Kraft gedacht wird. Erschien nun eine solche 
Bildung nicht etwa schon als mystisch? Sie war es so offen⸗ 
zundig, daß Wolff, der korrekte Rationalist, in seinen Lehr⸗ 
vorträgen des Leibnizschen Systems gerade diesen anti— 
materialistischen und dynamischen Charakter nach Möglichkeit 
abstreifte. 
Als Motiv der Entwicklung aber ergibt sich bis hierher,
	        
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