Die Frühromanmik.
35
fest zu fußen glaubte, so wurden die Deduktionen des Descartes
ind der ihm folgenden Philosophen dennoch nicht dem mathe—
matischen Verfahren, sondern bloßen Analogieschlüssen zu den
im mathematischen Verfahren ergründeten Zusammenhängen
berdankt, waren also im allgemeinen willkürlich.
War dies aber der Fall, so blieb die Lage eigentlich die—
selbe wie im 16. Jahrhundert; nur auf dem Wege tiefsinniger
Spekulation, mit unzureichenden Mitteln des Denkens, waren
Selbstbewußtsein und Gottesbewußtsein, jene Pole der indivi—
dualistischen Welt, auch hier wieder miteinander verknüpft
worden. In der Tat: wie anders als auf dem Wege der
Intuition, der überzeugt gehandhabten und nicht selten un—
mittelbar in mystischer Verzückung gefundenen Prämissen waren
denn die großen Rätsel des Daseins zu lösen, mochte die Dar⸗—
stellung des Errungenen selbst im VPanzergewand mathematischer
Beweise glänzen?
Und so treffen denn der binnendeutsche wie der nieder—
ländische Zweig der nationalen Philosophie im 16. und 17. Jahr⸗
hundert darin zusammen, daß in beiden das Denken deduktiv
aund in den entscheidendsten Fällen zugleich mystisch verlief.
Stand es aber mit der Philosophie Leibnizens, in der in
gewissem Sinne die beiden genannten Zweige ihre Fortsetzung
fanden, etwa anders? Faßt man die Monadenlehre als eine
Vermittlungsentwicklung des binnendeutschen Pandynamismus
und des niederländisch-cartesianischen Panmechanismus des
16. und 17. Jahrhunderts, so tritt als wesentlich hervor, daß
Leibniz von dem physikalischen Begriffe des Atomes das Ma—
terielle abstreifte und es zu der Monas, richtiger zu einem
Systeme von Monaden verdichtete, als deren Substanz eine
innen wirkende Kraft gedacht wird. Erschien nun eine solche
Bildung nicht etwa schon als mystisch? Sie war es so offen⸗
zundig, daß Wolff, der korrekte Rationalist, in seinen Lehr⸗
vorträgen des Leibnizschen Systems gerade diesen anti—
materialistischen und dynamischen Charakter nach Möglichkeit
abstreifte.
Als Motiv der Entwicklung aber ergibt sich bis hierher,