Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

J Rentabilität der Forstwirlschaft. 
seststellen zu wollen!).“ Dem Sinne nach ähnlich äußert er sich in einem 
Aufsatze in der „Allgemeinen Forst- und Jagdzeitung““?). 
Die Berechnung des Waldwertes mit Hilfe des objektiven forstlichen 
Zinsfußes ist also abzulehnen, wenn die tatsächliche Verzinsung des forst- 
wirtschaftlichen Betriebes durch die Rechnung gefunden werden soll. Auf 
die Ermittlung des der Rentabilitätsrechnung zugrunde zu legenden 
Kapitalbetrages kommen wir im nächsten Abschnitt zurück. 
Als feststehende Tatsache kann nun angenommen werden, daß sich 
der in den letzten Jahrzehnten zum Ankauf von Virtschaftswaldungen 
verwendete Geldbetrag bei nachhaltiger Wirtschast nur sehr niedrig verzinst. 
Zu dem gleichen Ergebnis, daß die Forstwirtschaft eine sehr niedrig 
rentierende Wirtschaft ist, gelangt auch die Waldwertrechnung mit Hilfe 
ihrer Rechnungsmethoden. Gerade diese Tatsache hat ja den Anlaß zu 
der Einführung des objektiven forstlichen Zinsfußes von 3 /e gegeben, 
für dessen relative Niedrigkeit die Vertreter der Waldwertrechnung eine 
ganze Reihe von Gründen angeben. Als wichtigster Grund wird in der 
Regel das Ste ig en der Holzprei \ e angeführt, durch das angeblich 
nicht allein eine allmähliche Erhöhung der Waldrente, sondern in gleichem 
Verhältnis auch eine Wertsteigerung des Waldvermögens eintritt. Mit 
Bezug hierauf sagt z. B. Endres: „Mit dem forstlichen Zinsfuß wird die 
Waldwirtschaft gerechnet, damit ist aber nicht gesagt, daß sie sich nur zu 
diesem verzinst. Die tatsächliche Verzinsung ist in der Regel viel höher?).“ 
Wir haben die Frage des forstlichen Teuerungszuwachses im Abschnitt 
„Holzpreis“ einer Prüfung unterzogen und sind dabei zu dem Ergebnis 
gekommen, daß ein nennenswerter absoluter Teuerungszuwachs des 
Holzes niemals bestanden hat, daß vielmehr im allgemeinen die Steigerung 
der Sortenpreise (Nutzholz oder Brennholz) hinter der durch die Geld- 
entwerlung hervorgerufenen allgemeinen Preissteigerung zurückgeblieben 
ist, und daß eine über die allgemeine Preissteigerung hinausgehende Preis- 
steigerung des Durchschnittsfestmeters Gesamtholzmasse ausschließlich durch 
die — heute wahrscheinlich nahe an ihrer oberen Grenze angelangte – 
verschärfte Nutzholzaushaltung herbeigeführt istn). Man müßte also schon 
!) Robert Liefmann, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, I. Bd., 3. Aufl., 
Stuttgart und Berlin 1923, S. 622. 
?) Derselbe, Nationalökonomie und Waldwertrechnung, i. d. Allg. F.- u. 
I.-Ztg., Juniheft 1924, S. 246. 
s) Max Endres, Lehrbuch der Waldwertrechnung und Forststatik, 4. Aufl., 
Berlin 1923, S. 17. 
#2) S. S. 37. 
GL
	        
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