C Rentabilität der Forstwirtschaft.
ist noch der, daß bei normaler Bestockung der Zerschlagungswert des
Waldbesitzes ein weit höherer ist als der mit einem landesüblichen Zinsfuß
von, sagen wir, 5 o/o berechnete Ertragswert. Ein Käufer, der einen
normal besstockten Wald zu einem Preise kauft, der diesem Ertragswerte
entspricht, würde in der Lage sein, den Kaufpreis ohne weiteres durch
Einschlag der verwertbaren Bestände zu decken, wie aus den Ertrags-
tafeln durch Einsatz der erzielbaren Holzpreisse jederzeit nachgeprüft werden
kann. Solange nicht eine von der nachhaltigen abweichende Bewirlschaftung
von Waldgütern gesetzlich verboten ist, wird also immer die Konkurrenz
von Güterschlächtern die Kaufpreise der Waldungen im Verhältnis zum
nachhaltigen Ertrage hoch halten.
Endlich hat L e m mel darauf hingewiesen, daß die Verzinsung des
Waldbesitzes von dem Verhältnis des Masssenzuwachses zum Holzvorrat,
als wertvollstem Produktionsfaktor, abhängig ist, und daß die Rentabilität
sich nie weit über das natürliche Zuwachsprozent erheben kannr). Nach
der Schwappachschen Ertragstafel für die Rotbuche von 1911 beträgt bei
gewöhnlichem Schluß der laufend jährliche Zuwachs auf II. Standorts-
klasse im Alter 60 = 4,4 °s9, im Alter 80 = 2,5 %%0, im Alter 100
= 1,7 %a, im Alter 120 = 1,4 !so der Derbholzmasse.
Auf die Frage, w i e h o < sich das Waldkapital verzinst, und wie
die Höhe dieser Verzinsung am zweckmäßigsten festzustellen ist, wird im
nächsten Abschnitt eingegangen werden. Als feststehend muß jedoch nach
dem Gesagten angenommen werden, daß das Waldkapital sich zu einem
Zinsfuße verzinst, der hinter einem landesüblichen Zinsfuße von 5 oder
gar 10 "/o weit zurückbleibt. Fehlerhaft würde es sein, auf Grund dieser
Festsstellung einen starren ,sorstlichen Zinsfuß“ aufzustellen oder gar nach
der Rechnungsweise der Bodenreinertragslehre mit diesem Zinsfuße einen
Teil des Ertrages dem Produktionsfaktor Holzvorrat, den Rest des
Ertrages dem Produktionsfaktor Boden zurechnen zu wollen. Die wirkliche
Verzinsung eines Erwerbswaldes läßt sich nur als Verhältnis des
laufenden Reinertrages zu den ~ tiatsächlich aufgewandten oder
geschätzten – festen Kosten ermitteln.
Verhältnis des laufenden Reinerirages zu den festen Kosten.
Von den festen Kosten und dem laufenden Reinertrage in der Forst-
wirtschaft wurde in früheren Abschnitten gesprochen. Wir haben als f e st e
!) Lemmel, Die Bodenreinertragslehre im sozialökonomischen Lichte, i. d.
Ztschr. f. Forst- u. Iagdw., Februarheft 1925, S. 84.
A.