Touringfahrt 1927
Von links nach rechts: Abschied von Wels, dem prächtigen Etappenziel. Präsident Hofrat Dr. Budinsky des Oe. T. C., Land
ÜÖberösterreich, Vizepräsident des Oe, T. C. Ing. K. Schrack, der Präsident des Oe. T. C. Felix Meyer-Tenneburg mit
seinem Töchterlein, Gendarmeriezentraldirektor Nusko im Gespräch mit dem Landesgendarmeriedirektor Vogelhuber.
Die Wagenkolonne vor der Einfahrt nach Linz. An der Spitze der blaue Austro-Daimler des Präsidenten der W. H. M. V. Hans
Ulrich. — Hochrad und XU-Steyr, als Zeichen der Entwicklung des Fahrzeugbaues; nebenstehend Fräulein Rothermann und
Fahrleiter Ganauser
DIE WIEDERAUFBAUARBEIT DES OESTERREICHISCHEN
TOURING-CLUBS
Von Präsident Meyer-Tennebure.
Die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung
zines Landes kann zum großen Teile auch durch
die Steigerung seines Fremdenverkehrs beurteili
werden. Gleichviel, ob der Fremde aus Gründen
der Erholung, des Vergnügens, der kulturellen Bil-
dung oder aus wirtschaftlichen Gründen die Grenzen
zeines Heimatlandes überschreitet, ob geschäftliche
Interessen ihn veranlassen, den Austausch von gei-
stigen oder Wirtschaftsgütern mit ausländischen Ge-
schäftsfreunden anzubahnen, bzw. zu fördern, die
Vorbedingungen hiefür bieten immer gewisse Er-
eichterungen im Reiseverkehr. Die gleichen Voraus-
setzungen gelten naturgemäß auch für Reisen im
‚nlande, denn gerade Oesterreich bietet durch seine
7ülle an Naturschönheiten stets neue Gegenden, die
dem Reisenden, mag er seine Heimat auch noch so
gut kennen, bisher unbekannt blieben.
Der Oesterreichische Touring-Club hat
ich seit seiner im Jahre 1806 erfolgten Gründung
zum überwiegendsten Teile die Aufgabe gesetzt, die
Intensität des Reiseverkehrs in Oesterreich
nit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern.
Wenn zur Zeit der Gründung noch Pferdegespann,
Eisenbahn und Fahrräder als Verkehrsmittel in Be-
tracht gezogen wurden, so mußte in späterer Zeit
auch der Entwicklung des ‚Kraftfahrwesens ein be-
sonderes Augenmerk geschenkt werden. Für Reisen
mit Automobilen und Motorrädern mußten zweck-
mäßige Unterkunftsverhältnisse. und Reparaturs-Mög-
lichkeiten geschaffen werden und in weiterer Folge
bei Auslandsreisen die Möglichkeit zum zollerlagfreien
Grenzübertritt. .
Durch den Ausbruch des Weltkrieges war die
umfangreiche und vielseitige Tätigkeit des Oester-
reichischen Touring-Clubs mit einem Schlage lahm-
gelegt. Der Tourismus war auf Kriegsdauer fast zur
Gänze unterbunden, die überwiegendste Zahl der
Mitglieder zur Kriegsdienstleistung eingezogen und
der Klub infolge der langen Dauer des Krieges seiner
Vittel entblößt.
Aber auch die nach dem Umsturze eingetretene
wirtschaftliche Krise hätte den Oesterreichischen
Touring-Club zur Untätigkeit verurteilt, wenn es
nicht die Leitung desselben verstanden hätte, recht-
zeitig die Vorbedingungen für einen unter neuen
Verhältnissen wieder aufblühenden Verkehr zu schaffen.
Wie richtig diese Vorsaussicht war, bestätigt der in
den letzten Jahren rapid emporgeschnellte Kraftfahr-
transport, der den Oesterreichischen Touring-Club
nicht unvorbereitet getroffen hat. Aber eine ganz
unverhältnismäßig‘ größere Bedeutung kommt dem
Automobil und Motorrad als Verkehrsmittel und
nicht als Luxusfahrzeug zu. Die Beherrschung des
Straßenverkehrs durch den Kraftwagen, die Be-
nützung desselben für geschäftliche Fahrten auch auf
größeren Strecken bis zum breitesten Ueberland-
verkehr macht es erforderlich, daß sich der Klub
mit der Frage der Verkehrsregelung und der Inter-
>ssenvertretung seiner Mitglieder, insbesondere auch
auf wirtschaftlichem Gebiete, befaßte.