Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

Wirtschaftsziel der Forstwirtschaft. 
Man könnte die Frage stellen, ob eine Besprechung des Wirkt - 
s<h a f tsziels der Forstwirtscha ft, das offenbar ein Sein - 
Sollen in sich begreift, überhaupt in das Gebiet der forstlichen Wirt- 
schaftstheorie hineingehört, oder ob sie nicht vielmehr in den Bereich der 
Forstwirtschaf ts politik zu verweisen ist. Ohne Zweifel wird 
die Bestimmung des Wirtschaftsziels, ganz besonders in den Waldungen 
der Staaten und Kommunalverbände, von forstpolitischen Rücksichten 
wesentlich beeinflußt, und auch in den Privatwaldungen wird das freie 
Ermessen des Wirtschafters zum Teil gesetzlich beschränkt. Trotzdem scheint 
mir die Aufzeigung der the or etis<h en Grundlagen und 
Richtlinien, die bei der Entscheidung über das im Einzelfall zu 
sezende Wirtschaftsziel ins Auge zu fassen sind, dem Gebiete der f or st - 
lichen Wirtschaftstheor i e zuzugehören. 
Es wird sogar möglich sein, aus diesen Grundlagen und Richtlinien 
ein theoretisches Wirtschaftsziel der Forstwirtschaft zu konstruieren; dieses 
wird aber alle diejenigen Erwägungen auszuschalten haben, die nicht auf 
erwerbswirtschaftlichem, sondern auf forstpolitischem oder auf konsum- 
wirtschaftlichem Gebiete liegen, also einerseits die Rücksichtnahme auf 
örtlichen Bedarf, auf Versorgung Minderbemittelter, auf Schutz- und 
Wohlfahrtswirkungen des Waldes, auf Einfuhr- und Währungspolitik und 
dergleichen, anderseits z. B. die Rücksichtnahme auf persönliche Annehmlich- 
keit des Waldbesitzes oder jagdliche Interessen seines Besitzers. Die Ent- 
scheidung über das Wirtsschaftsziel eines forstwirtschaftlichen Betriebes 
wird wohl stets durch solche Erwägungen der einen oder anderen Art 
beeinflußt werden, und es liegt ganz in der Hand des Wirtschafters, w i e 
weit er diesen Erwägungen Raum geben will. Daraus geht der dur ch - 
aus sub j ek tive Ch arakter des forstlichen Wirtschaftszieles hervor. 
Der heiße Kampf, der seit mehr als einem halben Jahrhundert die forstliche 
Welt in zwei Parteien scheidet, findet im wesentlichen seine Erklärung 
darin, daß dieser subjektive Charakter des forstlichen Wirtschaftszieles
	        
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