Object : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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sammenschluß  weniger  einen  Einfluß  auf  Preise  und  Produktion,  als
zunächst  nur  Einwirkung  auf  Zollgesetzgebung  und  Verkehrswesen
in  freihändlerischem  Sinne  und  Information  der  Mitglieder  über  Fragen
der  Zoll-  und  Handelspolitik  und  des  Tarifwesens.  Ausdrücklich  ist
aber  im  Statut  noch  gesagt,  daß  der  Verband  einen  Zusammenschluß
sämtlicher  deutscher  Garnverbraucher  anstrebt.  Er  zählte  1902  340
Mitglieder  mit  100000  Arbeitern.  In  demselben  Jahre  wie  jener
wurden  noch  gegründet  der  „Verband  süddeutscher  Baumwollgarnkonsumenten“ ­
  und  die  „Vereinigung  rheinisch-westfälischer  Handelskammern ­
  und  Garnkonsumenten“.  Vereinigungen  mit  ausgesprochenem
Kartellcharakter  sind  der  „Verband  deutscher  Buntwebereien“  und
die  Zanella-Konvention.  Über  sonst  etwa  bestehende  Konventionen
oder  Kartelle  ist  uns  nichts  bekannt.
Die  erstgenannte  große  Vereinigung  der  Weber  suchte  vergeblich ­
  eine  Verständigung  mit  den  Spinnern  anzubahnen;  in  Dresden,
Chemnitz,  Frankfurt  a./M.  pflog  man  Verhandlungen,  sie  führten  aber
zu  keinem  Resultat.  Die  Spinner,  auf  denen  der  Druck  der  Verhältnisse ­
  der  Rohstoffmärkte  lastete,  erhofften  vielmehr  durch  ein
Zusammengehen  unter  sich  mehr  Vorteil.  So  konzentrierten  sich  1899
der  westdeutsche,  sächsische  und  nordbayrische  Verband  zu  einem
deutschen  Spinner-Kartell,  das  die  Politik  des  M.-Gladbacher  Verbandes ­
  fortsetzen  und  nur  so  lange  tätig  bleiben  sollte,  als  die  Notlage
der  Spinner  andauern  würde 1 ).  Die  Bestrebungen  des  Kartells  wurden
unterstützt  durch  die  anhaltende  Aufwärtsbewegung  der  Baumwollpreise
  vom  September  1899  an.  Als  aber  im  Herbst  1900  ein
Abschlag  der  Baumwollpreise  erfolgte,  versagte  die  Organisation.  Die
getroffenen  Vereinbarungen  wurden  durch  die  einzelnen  Mitglieder
skrupellos  umgangen,  eine  allgemeine  Produktionseinschränkung  war
mit  Rücksicht  auf  die  ungleiche  Verteilung  der  Vorräte  unmöglich,
wäre  wohl  auch  durch  den  Nichtbeitritt  der  elsässischen  und  süddeutschen ­
  Spinner  zum  Kartell  illusorisch  gemacht  worden.  Unter
diesen  Umständen  hatte  die  vereinbarte  Preisfestsetzung  keinen  Wert
mehr,  und  das  Kartell  mußte  sich  auflösen  —  das  geschah  im  Frühjahr ­
  1901.  Seitdem  hat  man  u.  W.  nicht  wieder  den  Versuch  gemacht, ­
  die  über  ganz  Deutschland  verbreitete  Industrie  zu  kartellieren,
nur  innerhalb  einzelner  Verbände  ist  es  gelungen,  im  Jahre  1902
auf  kurze  Zeit  eine  Betriebseinschränkung  einmütig  durchzuführen.
Die  fortdauernd  günstige  Konjunktur  der  letzten  Jahre  hat  denn  auch
die  Notwendigkeit  der  Kartellierung  picht  so  klar  hervortreten  lassen.

)  ,,Berliner  Börsen-Kurier“  vom  9.  Oktober  1899.
            
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