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Die Gruppe.
Gemeinschaft die. Möglichkeit der äußeren Förderung allein ohne ein ge-
wisses Nahestehen nicht genügt. Es ist vielmehr eine gewisse Vertraut-
heit und innere Nähe Vorbedingung, die in dem legten Beispiel von
vornherein fehlt, in den Fällen der Familie und Sippe durch den Zwist
selbst vorübergehend zu sehr zurückgedrängt wird. — Psychologisch ist
es übrigens für jeden, der sich von den Irrtümern der Vulgärpsychologie
freihält, selbstverständlich, daß die Einsicht allein ohnmächtig ist, wenn
sie nicht an hinreichend ausgebildete Willensdispositionen (d. h. hier an
den eben erwähnten Zustand der inneren Nähe) anknüpfen kann. Man
vergleiche unsere frühere Ausführung ($ 31,7) darüber, daß das soziale
Sleichgewicht sich in der Hauptsache nicht auf Einsicht, sondern auf
unterbewußten Seelenkräften aufbaut.
6. Die bisherigen Beispiele für die gegenseitige Hilfsbereitschaft
sind zwar überwiegend aber nicht ausschließlich dem Bereich des Grup-
penlebens entnommen. Es ergibt sich schon daraus, daß diese Haltung
jöich nichtauf das Gruppenleben beschränkt, sondern
auch außerhalb seiner, also bei lockeren Beziehungen auftritt‘). Man
lenke an eine Menschenmenge, die gemeinsam von einem Unglück, z. B.
einem Eisenbahnunfall oder einer Schneeverwehung betroffen ist. Selbst
dei Menschen, die in einem Wettkampf stehen, kann das in Rede stehende
Phänomen eintreten. Bei solchen länger dauernden Radrennen, bei denen
sich die Beteiligten zu gleicher Zeit in Bewegung segen, pflegt sich von
den übrigen Teilnehmern eine Spigengruppe abzusondern, deren Mit-
vlieder sich in der ermüdenden Leistung der Führung untereinander ab-
‚ösen: obwohl sie untereinander um den Sieg kämpfen, schließen sie sich
doch zu einer „handlungseinheitlichen Gruppe“ zusammen, um als Gan-
zes ihre Vorzugsstellung den Übrigen gegenüber zu behaupten”). — Frei-
lich bedarf es im Einzelfall oft der Nachprüfung, ob nicht die gemein-
same sachliche Aufgabe, die aus der Situation hervorwächst, die Men-
schen zugleich auch innerlich einander so nähert, daß ein Gemeinschafts-
verhältnis entsteht.
Es entsteht unter diesen Umständen die Frage, ob die Zuge-
aörigkeit zu einer Gruppe überhaupt für das Phänomen
der solidarischen Hilfsbereitschaft von irgendeiner Bedeutung ist,
ader ob ihr Vorhandensein oder Fehlen für das Eintreten und die Be-
schaffenheit dieser Haltung gleichgültig ist. Zunächst ergibt sich
aber schon ein Unterschied aus der Erwägung, daß für das Eintreten der
in Rede stehenden Haltung eine gewisse innere Nähe erforderlich ist;
1) Vgl. Theodor Geiger, Die Masse und ihre Aktion, Stuttgart 1926 $S.21 flg.
2) Hartgenbuch in der Psychologischen Forschung Bd. 7 S. 389.