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Erwin Respondek,
minister selbst zu, daß die Regierung auch Fehler gemacht hat, daß
sie die Beaufsichtigung des Kreditwesens vernachlässigte, ihre Ge-
setzes-Macht nicht in der richtigen Art ausgeübt und zur Geltung
gebracht hat. Eines ist ohne weiteres klar. Hätten die Banken nur als
Zeichnungsstelle und nicht als Emissionshaus gewirkt, sich nur mit der
Eskomptierung erstklassiger Kommerzwechsel befaßt, Vorschüsse auf erst
klassige französische Wertpapiere gewährt und wären sie nur spärlich Re
portengagements eingegangen, so würden die durch das Dekret vom 9.
August 1914 für sie getroffenen Schutzmaßnahmen nicht nötig gewesen sein.
Die Banken können, wie schon früher ausgeführt, nicht gut allein
als die Schuldigen hingestellt werden. Vielmehr liegen hier Wechsel
wirkungen zwischen Bank und Staat und Gesamtwirtschaft vor, die
neben allen Vorteilen aus dem gegenseitigen ergänzenden Verkehr und
Zusammenwirken auch — in Zeiten der Krisis — ihre Schattenseiten
und Schäden naturnotwendig in sich bergen und vor allem in der schärf
sten Krisis, dem Weltkriege, in krassen Formen zum Vorschein treten
müssen.
Die Erklärung der französischen Bankwelt, vom 1. Januar 1915
ab auf die Wohltaten des Moratoriums Verzicht zu leisten, konnte als
der ernste und entschlossene Wille gedeutet werden, an der Überwindung
der wirtschaftlichen Hemmnisse und an der nationalen Arbeit tätigen
Anteil zu nehmen. In dem ersten Chaos der Kriegswirrnisse haben die
Banken, wie ausführlich dargelegt wurde, zweifellos versagt und durch
ihr eigenartiges, passives Verhalten gegen alles was Arbeit hieß, hat
die französische Handelswelt Veranlassung zu bitteren, gerechtfertigten
Klagen gehabt. Diese Schwächen suchten die Banken nach Verlauf
der ersten Stagnation durch das eifrige Bestreben, sich zu stärken, um
mit neuen Mitteln umsichtig und wirksam in das Wirtschaftsgetriebe
einzutreten, wieder auszugleichen.
Sie waren bemüht, dem Schatzamte bei der Beschaffung der
Mittel behilflich zu sein, ihm ihr weites Kundenfeld zuzuführen. Hier
durch wollten sie gewiß der Sache selbst dienen, daneben aber auch
wohl die schlechten Eindrücke, die die französische Regierung von
ihnen gewonnen hat, wieder austilgen. Als die Regierung ihre
„National-Verteidigungs-Wechsel“ ausgab, stellten die Banken sich
bereitwilligst in den Dienst des Staates, um den Absatz zu fördern.
Sie entfalteten in den Kreisen ihrer Kundschaft eine große Propa
ganda und erzielten auch nach ihren Mitteilungen günstige Erfolge.
Die Schatzwechsel-Käufer erhielten eine höhere Quote zur Zeichnung
der „Ribotins“ ausgezahlt, und die Banken übernahmen die Mühen
der Verwaltung und Erneuerung. Bei der Emission der „National-Ver
teidigungs-Obligationen“ wurde jedoch die Tätigkeit der Banken aus
geschaltet. Es ist nicht zu ermitteln, ob die Regierung auf ihre Dienste
Verzicht leistete, oder die Banken selbst die Mitarbeit versagten. In
jedem Palle, gleichgültig welches die Ursache sein mag, ist es zu be
dauern, daß in der so wichtigen Frage der finanziellen Kriegführung