Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

Bei der Vermittlung irgendwelcher Einzelkenntnisse verhält es 
sich ebenso. Wird das Interesse auf die Wichtigkeit dieser Einzelheiten, 
auf die beste Art, sie auszuführen, gerichtet, so arbeitet der Lehrling 
ganz anders, als wenn ihm bloß befohlen wird, so und so müsse es ge- 
macht werden. 
Man ist vielfach geneigt anzunehmen, daß die Disziplin durch 
kommandierten Drill gefördert werde; der junge Mann muß parieren 
lernen! Gewiß kann man ihn parieren lehren, aber je verständnisvoller 
und je freiwilliger dieses Parieren zustande kommt, ein umso wert- 
vollerer Mitarbeiter wird der Betreffende werden. 
Die praktische Durchführung dieses Gedankens ist schwieriger zu 
beschreiben als zu vollziehen; wenn der Lehrmeister eine geeignete 
Persönlichkeit ist und wenn er auch die richtige Einstellung zu seiner 
Aufgabe hat, so wird er ohne weiteres den Weg finden. In der me- 
chanischen Werkstatt von Gebr. Bühler in Uzwil, wo diese Bedingungen 
erfüllt sind, ist es eine wahre Freude zu sehen, welch frischer, flotter 
Betrieb in ihr herrscht und wie die Arbeit genau und rasch ausgeführt 
wird. 
3. Anleitung zum raschen und rationellen 
Kombinieren der erlernten Grundoperationen. 
Beim Anlernen ist im weiteren ein Unterschied zwischen der In- 
struktion im besprochenen Sinne und dem Training zu machen. Die 
Instruktion appelliert an das Verständis und geht in erster Linie auf 
die Exaktheit in der Ausführung der Grundoperationen aus. Das Trai- 
ning setzt die Instruktion, d. h. das Verständnis und die Exaktheit in 
der Ausführung voraus und bezweckt die Steigerung der Produktion. 
Das Wesen der Instruktion ist uns bereits hinlänglich bekannt, na- 
mentlich auch vom Anlernen der Elementarbewegungen des Feilens her. 
Bei jeder neuen Awendung muß dem Lernenden gezeigt werden, wie 
die Arbeit am besten gemacht werden kann, welcher Grad der Exakt- 
heit verlangt wird und wie man diesen am zweckmäßigsten erreicht. 
Diese Anweisungen sind so wichtig, daß sie in irgendeiner mehr 
oder weniger zweckmäßigen Form auch bisher gegeben wurden. Rich- 
tiges Ausführen selbst eines einfachen Auftrages ist ohne sie kaum 
denkbar. In der bisherigen Praxis fallen diese Weisungen aber fast im- 
mer zu kurz oder zu wenig verständlich aus; ein großer Prozentsatz der 
mangelhaften Arbeitsausführungen, des «Ausschusses» oder dergl. kann; 
wenn die Verhältnisse richtig untersucht werden, auf solche mangel- 
hafte Instruktion zurückgeführt werden. Es lohnt sich daher auch aus 
rein ökonomischen Gründen, der Frage der Instruktion größere Auf- 
merksamkeit als bisher zu schenken. 
Das Training dagegen ist bis heute mit wenigen Ausnahmen dem 
einzelnen Arbeiter vollständig überlassen worden. Wohl hat man mit 
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