George Lansbury:*
Über den Kongreß der unterdrückten Völker.
Ich reiste am Wochenende nach Brüssel, um an der Konferenz teil-
zunehmen, die zur Bildung einer „Liga gegen koloniale Unterdrückung“
aufrief. Ich brauche meine Freunde nicht mit Einzelheiten meiner Hin- und
Rückreise zu belästigen. Es genügt zu sagen, daß Nebel ein großes Hinder-
nis war. Anstatt Sonntag früh, kam ich in Brüssel erst um 6 Uhr an und
gedachte den nächsten Tag nach Hause zurückzukehren. Dies war ein
Umstand, der mich quälte und meine Laune und Ausdauer beeinflußte.
Alles ist aus der Erinnerung wie weggefegt, wenn ich mich an die große
Versammlung im „Palais d’Egmont“ Sonntagnacht zurückerinnere. Wahr-
haft ein internationaler Kongreß! Neger und Riffkabylen, Inder und Japaner,
Chinesen und Ägypter, Italiener und Franzosen, Russen und Deutsche, Iren
und Briten, Mexikaner und Holländer, Belgier und Skandinavier. Es schien mir
eine kleine Wiedergabe jener großen Zusammenkunft, von der die Schriften
der Apostel sprechen, wo Männer und Frauen vieler verschiedener Mund-
arten und Sprachen sich versammelten, um für ihren Glauben an das christ-
liche Evangelium Zeugnis abzulegen. Die Meisten von uns sprachen nur ihre
Muttersprache. Trotzdem war die ganze Konferenz vom Geiste der Kamerad-
schaftlichkeit und des Wohlwollens beherrscht, jenem Geist, der in rätsel-
hafter Weise Hindernisse der Sprache, des Glaubens und der Rasse hinweg-
räumt und den Menschen verständlich macht, daß sie alle gleiche Interessen
haben, Die Kameraden Gibarti und Bach sind fähig, die Aufgabe, die sie sich
"orgenommen haben, auszuführen. Sie scheuen keine Mühe. Beide sind. er-
füllt von dem Ideal einer internationalen Solidarität, die den Völkern aller
Länder das Recht zuerkennt, sich zu organisieren und ihr eigenes nationales
Leben zu führen. Die Frauen und Männer der britischen ‚Labour Party“
waren eine bunte Gruppe. Fenner Brockway vertrat die I. L. P., John Stokes,
der auf der „Memorial Hall“-Konferenz Wege zur Erhaltung des Friedens
* Aus den zahlreichen politischen und kritischen Kommentaren der Weltpresse über
den Brüsseler Kongreß gegen Imperialismus und koloniale Unterdrückung bringen wir
hier den Aufsatz zum Abdruck, der in „Lansburys’ Labour Weekly“ kurz nach dem
Kongreß erschienen ist. (Die Red.)