=. 3. Buch. Die Staatsausgaben.
Als spezielle, von den allgemeinen Steuern verschiedene Deckungs-
mittel kommen namentlich folgende in Betracht: a) spezielle Fonds,
b) Zwecksteuern, c) Gebühren, d) Beiträge, e) Anleihen, f) Natural-
und Dienstleistungen *!).
Was insbesondere die Deckung der Kriegskosten betrifft, so
kommen hierbei namentlich folgende Deckungsmittel in Betracht:
a) Kriegsschatz, b) Ausgabe von Papiergeld, c) Steuern, d) An-
lehen, e) Kontributionen, f) Naturalleistungen, öffentliche Arbeits-
pflicht und Arbeit der Kriegsgefangenen. Uber den Kriegsschatz
und dessen Bedeutung werden wir im nächsten Buche eingehender
abhandeln. Natürlich werden im Anfange des Krieges die verant-
wortlichen Staatsmänner die Einführung oder Erhöhung der Steuern
gerne vermeiden, da dies auf die Stimmung des Volkes einen un-
günstigen Eindruck macht. Die Ausgabe von Papiergeld wird als
spezielle Kriegsreserve betrachtet, die, wenn die nötigen Schranken
eingehalten werden, berechtigt und zweckmäßig ist. Doch darf die-
selbe nur provisorischen Charakters sein, da eine dauernde Papier-
geldvaluta auf das volkswirtschaftliche Leben in allen seinen Organen
und Funktionen von den verhängnisvollsten Wirkungen begleitet
sein kann, wie dies die Erfahrungen des Weltkriegs und der Nach-
kriegszeit. auf das eindrücklichste lehrten. Um so überraschender
ist es, daß trotzdem einzelne Schriftsteller — wie Leroy-
Beaulieu — dafür eintraten, daß Frankreich die Kosten des
Weltkriegs mittels Papiergeld zu decken versuche.
Die wichtigsten Deckungsmittel der Kriegskosten bieten sich
in den Steuern und dem Staatskredit dar. Auch hier neigen
manche der einen, manche der anderen Einnahmsquelle zu. Der
französische Finanzminister Ribot gab der Auffassung Ausdruck
(22. Dezember 1914), daß neue Steuern und Steuererhebungen erst
nach dem Kriege eingeführt werden dürfen. In Amerika und Eing-
land hat sich die Auffassung entwickelt — wir werden hierüber
beim Staatskredit eingehender verhandeln —, daß sowohl Steuern,
als Anlehen in Anspruch genommen werden müssen. Amerikas
Nordstaaten haben den Bürgerkrieg namentlich mittels Ausgabe von
Papiergeld geführt, dann aber auch energisch die Steuerschraube
angezogen. Auch hier hängt vieles von den konkreten Verhält-
nissen ab?). Seligman kommt zu dem Schlusse, daß Steuern
1) Über die Theorie der Deckung des Staatsbedarfes siehe namentlich
Schäffle, Gesammelte Aufsätze II. Bd. (Tübingen 1886) 5. 241. N
?) Huart, Finances de guerre comparee. (Paris 1916.) — Mayer, Über
die Deckung der Kriegsausgaben. (München 1916.) — Jeze, Les finances de
guerre de la France. (Paris 1915.) — Knauss, Die deutsche, englische und
französische Kriegsfinanzierung. (Berlin und Leipzig 1923.) — Sidney Webb
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