1... 3. Buch. Die Staatsausgaben.
Steuerdeckung angeführt: 1. Das psychologische Argument. Die
Gefahr, in welcher der Einzelne und das Ganze schwebt, ist der
psychologische Moment, in dem jeder bereit ist Opfer zu bringen.
2. Das politische Argument. Es müssen der Regierung die weit-
gehendsten Vollmachten eingeräumt und dem Feinde zu wissen ge-
geben werden, daß alle Opfer gebracht werden. 3. Das finanzielle
Argument. Es wird durch die Steuern eine feste Basis für die
Anlehen gelegt, für deren Verzinsung gesorgt usw. 4. Das
ökonomische Argument. Lloyd George setzt namentlich in
seiner Rede vom 27. November 1918 dieses Argument auseinander,
welches darauf hinweist, daß unbedingt kritische Jahre kommen
werden, in welchen die Tragfähigkeit der Nationalwirtschaft eine
geringere sein wird. Auch wird darauf hingewiesen, daß es nötig
sei, in der Periode der Inflation möglichst große Geldmengen aus
dem Verkehr zu ziehen. Fast einmütig wurde die englische Re-
gierung in dem Vorgehen, einen möglichst großen Teil der Kriegs-
kosten durch Steuern hereinzubringen, vom Parlament, von der
Presse, die Times nicht ausgenommen, die die Klasse der Reichen
vertritt, die den größten Teil der Last zu tragen hatten, unter-
stützt. Chamberlain nahm diesbezüglich den gleichen Stand-
punkt ein wie Lloyd George‘).
Über die Verteilung der Kriegskosten auf Steuern und An-
lehen in England zitiert Renaud auf Grund eines bis auf das
große Jahr 1688 zurückgehenden Parlamentsberichtes folgende
Daten ?):
Kriegsjahre MHülinen Pfund ai
1688—1697 16,5 16,0
1702—1718 29.4 21.2
1718—1721 1,0 35
1739—1748 29,7 13,9
1756—1763 60.0 226
1776—1785 945 30
1793—1815 4402 391.1
1854—1856 39,7 29,5
Fast durchgehend Anleihe ?/;, Steuer !/,, mit Ausnahme des
amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, dessen Kosten fast ganz
aus Anlehen gedeckt wurden.
Im nordamerikanischen Bürgerkriege war der Anteil der Kriegs-
steuern an den Kriegskosten ®):
1) Eingehend dargestellt bei Jeze, a. a. O. .
) Die finanzielle Mobilmachung. (Leipzig 1901.) 5S. 52.
3) Seligman, a. a. O0. S. 689.
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