5. Buch. Der Staatskredit.
auf 769,6 Mill. £ (1918/19); also auf das Dreifache. 'Trotzde
eilich spielt der Kredit die Hauptrolle. Die Einkommensteuer,
die im Jahre 1914/15 auf 56,5 Mill. £ veranschlagt war, wurde
1917/18 auf 225 Mill. £ veranschlagt. In Österreich präliminiert
das Budget für das Jahr 1918/19 2300 Mill. mehr Einnahmen als
im letzten Friedensjahre. Es ist also durchaus nicht vollständig
ausgeschlossen, daß durch Steuern die Einnahmen einen solchen
uwachs erhalten, welcher mit den größeren Bedürfnissen einiger-
maßen im Einklang steht. Freilich kann auch der Fall eintreten,
aß infolge des Krieges die Steuereingänge eine Abnahme erleiden,
ber auch das kann’nicht als notwendige Folge betrachtet werden,
da jeder danach streben wird, seine Produktion auf der bisherigen
öhe zu erhalten. Der Umstand muß aber gewiß im Auge be-
alten werden, daß die Erhöhung der Steuern einem größeren Wider-
streben begegnet, als Anlehen, da die letzteren jene in Anspruch
nehmen, die ihre Kapitalien nutzbringend anlegen wollen. Die be-
zahlte Steuer betrachtet jeder für sich als verlorenes Gut, den
erworbenen Anlehentitre als Vermögenszuwachs. Freilich verur-
sacht auch das Anlehen in Zukunft Kosten, doch ist es eine psycho-
ogische Wahrheit, daß wir die zukünftigen Lasten momentan nicht
so sehr fühlen als die gegenwärtigen. Für die Inanspruchnahme
er Steuerquellen spricht überdies der Umstand, daß hierdurch
ie Regierung mehr unter die Kontrolle des Volkes kommt. An-
lehen können auch für solche Kriege aufgenommen werden, die
nicht populär sind. Aber mit Steuergeldern kann ein Krieg nur
eführt werden, wenn das Volk denselben billigt. Und da in demo-
ratischen Zeiten ein Krieg nicht begonnen werden kann, den das
Volk nicht billigt, so kann der Fall gar nicht vorkommen, daß das
olk die mit dem Krieg verbundenen Kosten nicht tragen wollte.
„Das Maß der Steuer bildet die Begeisterung des Volkes“ sagt ein
Schriftsteller.
Auf die Frage der Deckung durch Steuern oder Anlehen
hat natürlich auch der Umstand Einfluß, welche der Quellen bisher
stärker in Anspruch genommen wurde. Wo die Steuerlast bereits
eine übermäßige ist, dort wird natürlich der Bedarf eher durch
lehen zu decken sein. Wo dagegen’ die Staatsschuld bereits eine
exorbitante Höhe erreicht hat, dort wird die Steuer. bessere Re-
sultate aufweisen. Wo freilich beide in hohem Maße in Anspruch
enommen sind, dort wird. die Entscheidung ebenso schwer sein,
als sie leicht ist in dem Falle, daß keine von beiden übermäßig
angespannt wurde. Auch muß vor Augen gehalten werden, daß
viel von der bisherigen Steuer- und Anlehenspolitik abhängt. Eine
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