III. Abschnitt. Geschichte des Staatskredites. &
und das jährliche Bedürfnis betrug 38 Prozent der Staatsausgaben.
Diese Schuld ward durch den Umstand noch besonders drückend,
daß nur ein kleiner Teil derselben zu produktiven Zwecken ver-
wendet wurde.
3. Preußen. Der Staatskredit Preußens zeigt langsame Ent-
wicklung, die überhaupt die KEigentümlichkeit des kontinentalen
Staatsschuldenwesens ist. Die primitivsten Methoden der Schulden-
aufnahme sind in Anwendung. Stände, Städte, Domkapitel geben
auf kürzere oder längere Zeit Darlehen. Dabei erhält sich lange
das Prinzip, daß die außerordentlichen Staatsbedürfnisse aus dem
Staatsschatz zu decken sind. Eine größere und systematischere
Inanspruchnahme des Staatskredites ist die Folge der französischen
Kriege. Alle Ubel der Unentwickeltheit des Staatskredites machen
sich geltend; die Anlehen werden unter drückenden Bedingungen
aufgenommen und sind schwer anzubringen. Auch Zwangsanlehen
müssen aufgenommen werden, die Münzen werden verschlechtert:
alles Erscheinungen unentwickelter Zeiten. Manchmal ziehen sich
die Verhandlungen wegen Aufnahme eines Anlehens Jahre hin-
durch, so in einem Falle mit Holland, wo sie anstatt der Summe
von 32 Millionen Franken bloß 4 Millionen einbringen. Auch die
Konfiskation der Kirchengüter und der Verkauf von Staatsgütern
bringt nur geringe Resultate. Die Beamten, die Heereslieferanten
konnten nicht bezahlt werden. Zwangskonversionen werden durch-
geführt, und zum Schluß muß auch Papiergeld ausgegeben werden.
Es ist beinahe unglaublich, daß nach so vielem Elend doch der
Staatskredit sich rasch erholte. Im Jahre 1830 wird es möglich,
die 5 prozentige Staatsschuld auf eine 4 prozentige und einige Jahre
später auf eine 3'/„ prozentige zu konvertieren. Ein Vorteil lag
später darin, daß ein großer Teil des Staatskredites zu produktiven
Zwecken in Anspruch genommen wurde, namentlich Eisenbahn-
bauten. Die Eisenbahnen liefern auch bald die nötigen Summen
zur Verzinsung und Amortisation der Eisenbahnschuld. Die Kriege
Preußens waren glücklichen Ausgangs und belasteten den Staats-
kredit nicht und mit der Entwicklung des Volksreichstums, des
Kapitals und der Berliner Börse zeigt sich nach allen Richtungen
hin eine günstige Gestaltung des Staatskredites.
4. Österreich. Auch in Österreich haben hauptsächlich
Kriege, in erster Reihe die Türkenkriege, zum Entstehen und An-
wachsen der Staatsschuld geführt. Ein wichtiger Fortschritt war
das Reifen des Prinzipes, daß jeder Herrscher die Schulden des
Vorgängers übernimmt, ferner daß die Schuld das Gebiet belaste,
also staatlichen Charakters ist. Maximilian IL verteilt die
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