Full text: Finanzwissenschaft

6__ 5. Buch. Der Staatskredit. 
festgesetzt war, so konnte man unter 3 Livres keinen Wagen be- 
kommen, für einen Tag: 40 Livres. Die Kerze, deren Preis in der 
Regel 32 Sous war, kostete 7 Livres; ein Paar Seidenstrümpfe 
40 Livres usw. Der Banknotenumlauf stieg fabelhaft; er betrug 
am 5. Januar 1719 18 Millionen Livres, am 23. September 1720 
3070,7 Millionen Livres. Am 10. Oktober 1720 mußte die Regie- 
rung erklären, die Banknoten „sont tombes dans un tel Etat de 
discredit, qu'il n’ont plus de valeur comme especes“, 
In diesen Erscheinungen können wir das Vorspiel jener . ver- 
hängnisvollen Periode sehen, die in Frankreich während der großen 
Revolution infolge der leichtsinnigen Assignatenwirtschaft eintrat. 
Die Assignaten waren Anweisungen auf den Erlös der konfiszierten 
Güter der Emigranten. Die erste Emission erfolgte mittels Gesetz 
vom 21. Dezember 1789, welches die Ausgabe von 400 Millionen 
Livres gestattete zu 5 Prozent, was darauf hinweist, daß man an- 
fangs nicht an ein Zahlungsmittel dachte. Im April 1790 wurden 
die Assignaten mit Zwangskurs ausgestattet und am 29. September 
wurde die Zinszahlung suspendiert. Von dieser Zeit an ist die 
Notenpresse in steter Tätigkeit. Es betrug der Umlauf: am 1. Juni 
1791 912,0 Millionen Livres, am 1. September 1796 45578,8 Milli- 
onen Livres. 
Alle Maßregeln, die zur Festigung des Wertes der Assignaten 
angewendet wurden, waren vergeblich, alle Strafandrohungen — Kerker 
und Guillotine — waren erfolglos. Die Preise stiegen ins Fabelhafte. 
Es wurden Höchstpreise festgesetzt, die aber selbst der Staat nicht 
einhalten konnte. 500000 Personen wurden mit der Erforschung 
der Preistreiber betraut. Alles vergeblich. Endlich wurden die 
Assignaten als wertlos aus dem Verkehr gezogen. Man machte 
dann noch einen Versuch mit einem Papiergeld, „mandat terri- 
torlal“, bald aber sank dessen Wert auf 1,84, man mußte den Metall- 
geldumlauf herstellen. Noch dreimal bedroht Frankreich die Papier- 
geldwirtschaft: 1805, bei Gründung der Bank, 1848 und 1870, doch 
in weit bescheidenerem Maße. 
Zu den Staaten, deren Volkswirtschaft fast beständig unter 
den Miseren des Papiergeldumlaufes litten, gehörte in erster Reihe 
Österreich. Das erste Papiergeld repräsentieren die im Jahre 1762 
ausgegebenen Bankozettel, die aber keinen Zwangskurs genossen 
und vom Publikum gerne angenommen wurden. Der Umlauf betrug 
12 Millionen Gulden. Mit dem wiederkehrenden Defizit wurde die 
Menge der Noten stets vermehrt und deren Emission wurde in der 
Periode der Napoleonischen Kriege stetig fortgesetzt. Im Jahre 1796 
wird die Einlösung suspendiert, worauf die Entwertung immer 
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