110
Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
sehen Traditionen und bekennt sich zur Grenznutzenlehre Jevons’
und der österreichischen Schule. Adam Smith und dessen
Nachfolgern wirft er vor, das Wesen des Gebrauchswertes ver
kannt zu haben, indem sie ihn zur Brauchbarkeit objektivierten
und bald aus dem Auge verloren. Er selbst unterscheidet
mit der österreichischen Schule einen rein subjektiven Ge
brauchswert und einen zwar ebenfalls wesentlich subjektiven
Tauschwert, „zu dem aber in den meisten Fällen ein objektives
Element hinzutritt“ *).
Ein ganz besonderes Gewicht legt er ferner auf das Gesetz
der Substitution. Die Erscheinung der Substitution erklärt er
für eine der wichtigsten des Wirtschaftslebens. Sie tritt in
vierfacher Form auf: erstens als eine Vertretung von Gütern
durch andere, ähnliche Güter, deren Surrogate, zwecks Befriedi
gung eines und desselben Bedürfnisses; zweitens, indem ein
Produktionsverfahren durch ein anderes ersetzt wird; drittens,
als Ersatz menschlicher Arbeitsleistung durch maschinelle Ver
richtung oder umgekehrt; viertens, indem ein Bedürfnis einem
andern Platz macht 1 2 * * * * * ). Das Gesetz der Substitution besteht nun
eben darin, daß unter dem Einfluß des Preises ein solcher
Ersatz vor sich geht. Das Auftreten von Surrogaten macht jede
genaue Berechnung und folglich jede mathematische Formu
lierung der Preisgesetze illusorisch. Auch wirkt das Gesetz der
Substitution dem dauernden Erfolg jeder Kartellierung und
jeder Monopolbildung entgegen. „Das Gesetz der Substitution
ist das Hauptmittel, durch das in vielen Fällen, wo nicht
in allen, der Konsument den übermäßigen Prätentionen der
Produzenten entgeht. Dank den Fortschritten der heutigen
Wissenschaft wiegen die Wirkungen jenes Gesetzes in den wirt
schaftlichen Beziehungen der Menschen zueinander immer mehr
vor“ 8 ).
1) Traité, Bd. III, p. 18 ff.
2 ) „Nicht nur für die Befriedigung eines und desselben Bedürfnisses gibt
es Surrogate, sondern auch Bedürfnisse, die gar nicht zueinander in Be
ziehung zu stehen scheinen, sind beständig miteinander im Kampf, um sich im
Herzen der Menschen den Vorrang streitig zu machen und jedes für sich die
Kaufkraft, über welche der Mensch verfügt, mit Beschlag zu belegen.“ Traité,
Bd. I, p. 87—88.
8 ) Traité, Bd. I, p. 664.