Object: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Godwin. 
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(aggregate) von Individuen (S. 90); die Gesammtheit ist kein 
Wesen für sich; Vaterlandsliebe als solche ist eine Illusion, 
das Glück der Gesammtheit als eines von den Einzelnen unter- 
schiedenen Wesens ist eine Chimäre; es giebt nur Individuen 
und ihr Glück (S. 514). ' Ruhm der Nation, Ausdehnung des 
Landes etc. sind purer Schwindel, das Glück Aller ist das 
Interesse Aller (d. h. Einzelner) (S. 559), das einzige gerecht- 
fertigte (legitimate) Ziel politischer Institutionen ist der Vor- 
theil der Individuen (S. 558). Deutlicher als irgend ein An- 
derer spricht Godwin den Gegensatz zu der organischen Staats- 
anschauung aus, die den Einzenen als organisches, dienendes 
Glied des Staats, den Staat als eine Phase in der Entwicke- 
lung der höheren Zielen zustrebenden Menscheit auffasst. 
Weniger erfolgreich und durchschlagend, aber noch nack- 
ter und vollendeter als Bentham treibt Godwin den Götzen- 
dienst des Individuums, gerade wie bei Bentham aber setzt 
doch die eigene Vernunft allen anderen Individuen das Gesetz 
ihres Daseins, was nur schlecht durch die ernst gemeinte 
Phrase von der Wahrheit verhüllt wird. „Die Gesellschaft ist 
nichts weiter als eine Summe von Individuen, Ihre Rechte 
und Pflichten müssen sein die Summe der Rechte und Pflich- 
ten der Individuen. — — Was hat die Gesellschaft von mir 
zu verlangen ein Recht? —. Alles, was meine Pflicht ist, 
nicht mehr. Kann sie die ewige Wahrheit ändern, die Natur 
der Menschen und ihrer Handlungen umwälzen? — — Was 
ist die Gesellschaft verpflichtet, für ihre Mitglieder zu thun? 
Alles, was zu ihrem Wohlsein beitragen kann. Die Natur 
ihres Wohlseins ist vorgeschrieben durch die Natur ihres 
Geistes. Daher wird am meisten unser Wohl befördern, was 
unseren Verstand ausdehnt, Anregung zur Tugend giebt, uns 
mit edlem Unabhängigkeitssinn erfüllt und sorgfältig Alles 
entfernt, was unsere Bethätigung hindern kann.“ 
Aus diesem extremen Individualismus folgt nun zunächst 
dieselbe Consequenz wie bei Bentham, dass jeder Einzelne 
der Staatsgewalt zu widerstehen berechtigt sei, wenn diese 
nach seinem individuellen Urtheil Ungerechtes verlange 
(S. 191): daraus entstehe keine unerträgliche Unordnung, weil 
“—.
	        
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