Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Godwin.

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willenlos und nothwendiger Weise handelt resp. spricht und
schreibt, wie es muss, Aber wie verträgt sich jede dieser
Annahmen mit der Gleichheit der Menschen? Und wenn man
sich der letzteren weniger vermessenen Annahme anschliesst,
so kann doch offenbar jeder andere Mensch sagen, seine divergirenden
 Ansichten seien ihrerseits nothwendig in ihm entstanden.
 | Hat nun eine der tausenderlei nothwendig entstandenen
 Ansichten gerechtfertigten Anspruch auf absolute Wahrheit?
 Kann irgend ein Mensch seine Ansichten für etwas
anderes halten als das an sich werthlose Resultat unbekannter
Ursachen? Und wenn Einer sie doch für unbedingt wahr und
der allgemeinsten Verbreitung für würdig hält, mischt er dann
nicht einen unmotivirten Glauben und ein inconsequentes
Wollen in die kühle Betrachtung von der Nothwendigkeit
alles Seienden ?
So beweist Godwin selbst, dass seine zunächst aus seiner
vorherrschenden Aunschauungsweise consequent abgeleitete
Theorie ungenügend und unhaltbar ist; er widerlegt unbewusst
seinen Standpunkt.
Die Tendenzen, denen diese Theorie dient, sind nun zunächst
 sehr allgemeiner Art und zwar theils höchst löblich,
theils überaus utopisch.
Zu den 1öblichen Tendenzen gehört vor Allem die, dass
Godwin aufrichtig und ernstlich von jeder Gewaltthat zur
Durchführung seiner Ideale abmahnt; ja er hält sogar (S. 212)
Agitationsvereine für bedenklich, und will nur, dass Jedermann
die erkannte Wahrheit frei und unverhohlen, ganz und vollständig,
 eventuell mit dem Muthe des Märtyrers äussere.
Speciell verwirft er den Tyrannenmord und predigt Aufrichtigkeit
 und Wahrheitsliebe in allen Lagen des Lebens mit
solchem Eifer, dass er es sogar für unrecht hält, sich verleugnen
 zu lassen, wenn man zu Hause ist. Er gesteht freilich
zu, dass die Durchführung der aus seinen Wahrheiten folgenden
 Reformen Zeit brauche und empfiehlt geduldiges Abwarten,
Damit steht dann in seltsamem Widerspruch, dass er keine
Unterschiede der Völker nach Ort und Zeit anerkennt (8. 61,
91), sondern glaubt, die eine unabänderliche Wahrheit könne
Held, Soc. Gesch. Engl.
            
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