246 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
des Finanzministeriums und 1921 in Ungarn das königlich ungarische
Noteninstitut gegründet worden (s. S. 126). Beide betrieben die ge-
wöhnlichen. Geschäfte der Notenbanken und veröffentlichten wie diese
regelmäßig Bankausweise.
2. Depositenbanken; ihr wichtigstes Passivgeschäft ist das
Einlage- und Girogeschäft, ihre Aktivgeschäfte sind das Eskont-
und Lombardgeschäft. Sie finden sich in den westlichen Ländern
Europas, besonders aber in England und in der Union.
Die französischen Depositenbanken sind zumeist große, kapital-
kräftige Unternehmungen, die mit Hilfe eines ausgedehnten Netzes
von - Filialen und Einzahlungsstellen das Einlagegeschäft intensiv
pflegen und mit allen Bevölkerungsschichten in enge Fühlung zu
kommen suchen. Neben den vorerwähnten Geschäften betreiben
sie das Kontokorrentgeschäft, geben Vorschüsse im Kontokorrent
und akzeptieren Tratten ihrer Kommittenten.
Auch die englischen Depositenbanken sind, wie bereits erwähnt,
große Banken mit bedeutendem eigenen Kapital, das aber zumeist
nur einen Bruchteil der ihnen anvertrauten Depositengelder bildet;
die Zahl ihrer Filialen ist überaus groß.
Neben diesen großen Aktienbanken betrieben viele Private banks oder
Bankers?) das Depositengeschäft, die sich namentlich in London wieder
für die Bedürfnisse der einzelnen Bevölkerungsschichten spezialisiert hatten.
So konnte man die City Bankers unterscheiden, die ausschließlich den
Zwecken des Großhandels dienten, dann die Westend Bankers, die wieder
den Bedürfnissen der oberen Gesellschaftsschichten Rechnung trugen, die
Suburban Bankers für die mittleren Klassen und Kleinhändler. In den letzten
Jahrzehnten sind diese Private Bankers vielfach in Filialen der großen
Depositenbanken umgewandelt worden, die sich in ähnlicher Weise wie die
Private banks den Bedürfnissen ihrer Kundschaft angepaßt haben. Zahlreiche
kleinere Banken in London und in der Provinz haben sich außerdem mit
diesen großen Depositenbanken fusioniert, so daß sich deren Tätigkeits-
gebiet gegenwärtig auf ganz England erstreckt.
Immerhin ist das Arbeitsfeld dieser Depositenbanken das Inland;
für ausländische Banken sind sie bloß Zahlstellen. Die Gelder, die
die Depositenbanken im Depositengeschäft empfangen, verwenden
sie hauptsächlich im Wechseleskont- und Lombardgeschäft, aber
nicht unmittelbar, sondern — und das ist eine Besonderheit der
englischen Kreditvermittlung — mittelbar durch die verschiedenen
Brokerfirmen; so eskontieren oder belehnen sie das Wechselmaterial,
das ihnen von den Bill Brokers oder den Discount companies zugeht,
sie lombardieren Effekten von den Stock Brokers und Dealers
%) Das sind Unternehmungen mit nicht mehr als sechs Teilnehmern,
die sohin nicht der Company-Gesetzgebung, sondern dem partnership law
unterworfen sind.