Full text: Die Technik des wirtschaftlichen Verkehrs

I. MASS- UND WERTFESTSTELLUNG IM WARENVERKEHR 25 
A. Muster oder Proben sind kleine Teile einer Ware, die die 
Qualität des ganzen Quantums genau erkennen lassen. Man unter- 
scheidet Einzelmuster von jedem Kollo (Kiste, Ballen, Sack usw.) 
und Durchschnittsproben, die eine ganze Warenpartie darstellen, 
Das Entnehmen der Muster, das „Musterziehen‘“, muß mit großer 
Sorgfalt vorgenommen werden, alle Verschiedenheiten der Ware 
sollen im Muster vertreten sein, 
Einen besonderen Zweck verfolgen die Ausfallmuster oder 
Shipment Samples, die namentlich im Exportgeschäft wichtig sind. 
Sie werden von den auf Bestellung erzeugten Waren reichlicher als 
gewöhnlich gezogen und dem Besteller mit dem raschesten Verkehrs- 
Mittel zugestellt, damit dieser einerseits durch Vergleich mit dem 
Bestellmuster sich von der mustergetreuen Ausführung des Auftrages 
überzeugen, anderseits die Muster auch zur Ausbietung an seine 
Kunden verwenden kann, um so die lange Transportdauer auszu- 
nutzen, 
Die Muster der verschiedenen Qualitäten einer Ware werden 
nicht selten in Zusammenstellungen, den sogenannten Musterkollek- 
tionen, vereinigt, die zur Unterscheidung verschiedene Nummern 
oder Zeichen erhalten, 
Um nicht bei jedem Geschäftsabschlusse Muster zu benötigen, 
können bei den Warenbörsen ständige Muster, Normalmuster oder 
Typen, von Kaufleuten hinterlegt werden, auf Grund deren dann 
sämtliche Abschlüsse erfolgen. 
Aber auch Kaufleute können gegenseitig solche Typen verein- 
baren: So wird der Kommittent seinem Einkaufskommissionär mit. 
Namen oder Zahlen bezeichnete Muster der für sein Geschäft wich- 
tigsten Qualitäten einsenden, um sich in seinen Einkaufsaufträgen 
auf diese Typen berufen zu können. 
In manchen Handelsartikeln sind die Typen marktgängiger Quali- 
täten von bleibender Bedeutung geworden und werden dann häufig 
Standards genannt. Diese erhalten feste Bezeichnungen und bleiben 
an den Warenbörsen in Aufbewahrung, um die Grundlage für alle 
Abschlüsse in dem betreffenden Handelsartikel zu bilden. Im Rohr- 
zuckerhandel waren lange Zeit die holländischen Standards von 1 bis 20 
maßgebend. Im Baumwollhandel unterscheidet man bei nordamerikani- 
scher Baumwolle die U. St. Official Cotton Standards: 1 middling 
fair, 2 striet good middling, 3 good middling, 4 strict middling, 5 midd- 
ling, 6 striet low middling, 7 low middling, 8 striet good, ordinary, 
9 good ordinary. Diese Klassifikation wird durch die Cotton Exa- 
miners, die vom Chef des Marktbureaus des Departement of Agri- 
Culture bestimmt werden und in New York, New Orleans und anderen 
hiefür wichtig scheinenden. Plätzen ihren Sitz haben, besorgt. Über 
die Prüfung werden cotton class cerlificates ausgegeben. Für ost-
	        
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